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Arbeitsschutz im Betrieb: Diese 5 Präventionskultur-Typen gibt es

Forschungsergebniss von der BAuA

Nur etwa die Hälfte der Betriebe führt die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ausreichend detailliert und regelmäßig durch. Warum ist das so? Warum nutzen Betriebe die Gefährdungsbeurteilung nicht als Basis für eine gute Präventionskultur, wo sie doch sowieso laut Gesetz gemacht werden müsste? Wie ist es um die betriebliche Sicherheits- und Gesundheitskultur in Unternehmen in Deutschland überhaupt bestellt? Diesen Fragen ging die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einem Forschungsprojekt nach. Das Ergebnis, der Forschungsbericht "Formen von Präventionskultur in deutschen Betrieben" liegt nun vor. Darin identifiziert die BAuA fünf verschiedene Arten von Präventionskultur. Vier davon weisen mehr oder weniger große Lücken in Sachen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz auf.


Die 5 Präventionskultur-Typen

  1. "Do-it-Yourselfer": Klein- und Kleinstbetriebe, die sich in einer wirtschaftlich prekären Lage befinden, haben mit Verhältnisprävention wenig am Hut. Diese Betriebe sind meist inhabergeführt und es wird in Sachen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz auf das Verhalten gesetzt: Prävention sind hier das eigene Engagement, Unfälle und Gesundheitsschäden zu vermeiden, die Investition in die eigene Fitness und die Fähigkeiten der Menschen. Die Präventionskultur basiert also auf dem gesunden Verhalten von Chef und Mitarbeitern.
  2. Techniker: Arbeitsschutz und Prävention werden hier ausschließlich als eine Frage der technischen Ausstattung gesehen. Meist richten sich die Maßnahmen eng am technischen Regelwerk aus. Hier haben die BAuA-Forscher die Untertypen "Musterschüler" und "Kritiker" ausgemacht. Die Musterschüler setzen technische Vorgaben ohne sie zu hinterfragen um. Die Kritiker hinterfragen, denken oft, dass das Regelwerk in sich inkonsistent und zu wenig mit anderem Regelwerk harmonisiert ist.
  3. Fehlervermeider: Dieser Typus kommt laut der BAuA in deutschen Betrieben am häufigsten vor, in allen Branchen als auch in allen Betriebsgrößen. Präventionsmaßnahmen sind für die Fehlervermeider unvermeidliches Übel. Sie werden oft als Eingriff in die unternehmerische Souveränität gesehen. Ein Fortschritt in Sachen Prävention durch Lernen und Anpassung der Maßnahmen findet nicht statt. Die Beschäftigten sind die größte Ressource, aber auch die größte Risikoquelle – der Mensch steht im Zentrum. Verhaltensprävention first; Verhältnisprävention second.
  4. Systematiker: Die Systematiker orientieren sich streng am Vorschriften- und Regelwerk sowie an "Messbarem", also an Kennzahlen – immerhin.  Es wird allerdings nur ein Teil der vorhandenen Risiken als präventionsrelevant angesehen, eine systematische Betrachtung aller Gefährdungen findet nicht statt. Präventionsmaßnahmen gibt es und Beschäftigte werden auch aufgefordert, an diesen teilzunehmen und sich sicher zu verhalten. Wie Arbeitsschutz und Prävention gestaltet werden, ist hier aber Sache der Führungsebenen. Beschäftigte werden nicht eingebunden. Beim Typus "Systematiker" handelt es sich meist um größere Firmen.
  5. Standardsetzer: Arbeitsschutz und Prävention sind bei den Standardsetzern sich in Entwicklung befindliche ganzheitliche Ansätze. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind für sie labile Zustände, die immer wieder betrachtet und vor allem die immer verbessert werden müssen. Die Standardsetzer halten nicht viel von den technischen Regeln und Vorschriften, denn sie übertreffen sie meistens sowieso. Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Prävention gehen in diesen Betrieben in der Regel meist weit über das gesetzliche Mindestmaß hinaus. Permanente Analyse und permanentes Lernen zeichnen die Standardsetzer aus, die ihre eigene vorbildliche Präventionskultur entwickelt haben. Solche komplexen Prozesse finden sich natürlich meist in größeren Betrieben und eher weniger in KMU.

Klar ist: Betriebe, die nicht zu den Standardsetzern gehören, haben mehr oder weniger deutlichen Spielraum nach oben, was den Arbeitsschutz im Betrieb angeht. Aufsichts- und Kontrollbehörden sollten laut BAuA aber auch bei den anderen vier Typen die vorhandenen Präventionsbemühungen anerkennen und wertschätzen.

Folgen Sie dem Link zum Forschungsbericht und erfahren Sie mehr über die fünf Präventionskultur-Typen unter den Betrieben in Deutschland!

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