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Arbeitsmedizin: Prävention ist das Ziel

Wandel der Arbeitswelt ändert die Aufgaben der Arbeitsmediziner

Der Wandel der Arbeitswelt weg von körperlicher Arbeit hin zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft sorgt dafür, dass sich auch die Aufgaben der Arbeitsmedizin verändern: Standen früher die Gestaltung der Arbeitsbedingungen und "harte" Faktoren wie Lärmbelastung oder Tätigkeiten mit Gefahrstoffen im Vordergrund, tritt der Präventionsgedanke immer mehr in den Vordergrund. Der moderne Präventionsgedanke und die Arbeitspsychologie seien zwar schon in der Vergangenheit in der Arbeitsschutzgesetzgebung verankert gewesen, jetzt rückten sie aber immer weiter ins Zentrum des Geschehens, wie Dr. Wiete Schramm, Fachgebietsleiterin Arbeitsmedizin bei TÜV Rheinland, erklärt.


Das macht der Arbeitsmediziner heute

Der Arbeitsmediziner hat die Aufgabe, zwischen der konkreten Belastung bei der Arbeit und der gesundheitlichen Situation des Beschäftigten eine Verbindung zu ziehen. "Auf dieser Basis berät er, wie Arbeitnehmer im Beruf aber auch in der Freizeit ihre Gesundheit erhalten und fördern können", so Schramm. Die Themen-Schwerpunkte sind:

  • Die Beratung zu mehr körperlicher Aktivität spiele zum Beispiel eine immer größere Rolle in der präventiven arbeitsmedizinischen Tätigkeit. Viele Beschäftigte müssten ausgleichen, dass sie fast den ganzen Tag im Sitzen verbringen.
  • Mit Unterstützung der Arbeitsmediziner können Arbeitsschutz-Verantwortliche in Betrieben Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) außerdem so gestalten, dass sie die Bedürfnisse der Belegschaft erfüllen und dass diese auch daran teilnimmt. Moderne Hilfsmittel zu nutzen ist laut der Expertin ebenso sinnvoll: Verwendet ein Beschäftigter zum Beispiel Schrittzähler oder Pulsmesser, ergibt sich daraus ein bestimmtes Bild von seinem Gesundheitsverhalten.
  • Mittels arbeitsmedizinischer Pflicht- und Angebotsvorsorge können zudem Gesundheitsschäden, wie etwa eine beginnende Lärmschwerhörigkeit oder Hauterkrankungen bei Feuchtarbeit, frühzeitig erkannt und Beschäftigte können passend beraten werden.
  • Wenn es um das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) geht, berät der Betriebsarzt zu einer angemessenen Beschäftigungsmöglichkeit für den Betroffenen. Damit sollen die Arbeitsunfähigkeit überwunden und die (Weiter-)Beschäftigung gesichert werden.
  • Mit Wunschvorsorgen, die ebenfalls der Arbeitsmediziner durchführt, können Arbeitnehmer gezielt gesundheitliche Belastungen ansprechen.
  • Ein Beratungs-Thema, das immer mehr in den Mittelpunkt der arbeitsmedizinischen Tätigkeit rückt, sind die psychischen Belastungen. Dass moderne Arbeitsformen wie Führen auf Distanz oder die Tätigkeit im Homeoffice auf der einen Seite Erleichterungen, auf der anderen Seite aber auch neue Risiken für die Beschäftigten mit sich bringen, ist kein Geheimnis mehr. Beratung durch den Arbeitsmediziner soll hier die negativen Folgen reduzieren.


Videosprechstund & Co.: Moderne Betreuungsformen werden heiß diskutiert

Viel diskutiert werden derzeit auch neue ärztliche Betreuungsformen, wie die Videosprechstunde. Wenn eine körperliche Untersuchung notwendig ist, ist diese bequeme Form des Kontakts mit dem Betriebsarzt natürlich nicht sinnvoll – hier sind also Grenzen gesetzt. Die Entscheidung, welche Betreuungsform die passende ist, muss immer im Einzelfall getroffen werden. "Es gibt Themen wie psychische Belastungen durch Mobbing oder Burnout, die viele Beschäftigte lieber persönlich mit dem Betriebsarzt besprechen möchten. Moderne Betreuungsformen sind daher wertvolle Ergänzungen, können Bewährtes aber nicht ersetzen. Sie helfen uns, Beschäftigte umfassend zu betreuen und mit dem immer schnelleren Wandel in der Arbeitswelt Schritt zu halten", fasst Schramm Chancen und Risiken dieser neuen Betreuungsformen zusammen.

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