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Maschinensicherheit: Darauf müssen Arbeitgeber achten!

Maschinen sicher betreiben – über alle Lebensphasen

Sie haben für Ihren Betrieb eine neue Maschine gekauft. Mit allen notwendigerweise einzubeziehenden Personen (wie zum Beispiel der Sifa, dem CE-Beauftragten, Monteuren, Konstrukteuren) haben Sie den Bedarf analysiert und ein Lastenheft erstellt. Darin haben Sie zum Beispiel beachtet, wie viel Platz Sie zum Aufstellen der Maschine haben, welche klimatischen Einflüsse sie aushalten muss (Temperatur, Luftfeuchtigkeit …), welche Anschlüsse zur Verfügung stehen oder welche ergonomischen Aspekte beachtet werden sollten. Auf dieser Basis hat ein Hersteller ein ordentliches Produkt geliefert, das nun bei Ihnen in Betrieb gehen soll. Doch einfach aufstellen, einstecken und einschalten ist zu wenig. Achten Sie auf die Maschinensicherheit!

Während sich der Maschinenhersteller oder der Händler an die Vorgaben aus der Maschinenrichtlinie halten muss, die im Produktsicherheitsgesetz bzw. in der 9. Produktsicherheitsverordnung (auch Maschinenverordnung genannt) in nationales Recht umgesetzt wurde, müssen Sie als Betreiber die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) beachten. So ist der Betreiber (in der BetrSichV "Arbeitgeber" genannt) der Maschine nach §6 zum Beispiel dafür verantwortlich, dass Arbeitsmittel bestimmungsgemäß betrieben werden und Schutzeinrichtungen immer funktionsfähig sind. §14 verpflichtet ihn zu prüfen, ob Montage und Installation korrekt durchgeführt wurden und dass das Arbeitsmittel als auch die sicherheitstechnischen Maßnahmen sicher funktionieren.


Übrigens: Verändert ein Betreiber eine Maschine wesentlich, dann wird er zum Hersteller und die Pflichten aus der MRL gehen auf ihn über. Aber was ist eine wesentliche Veränderung? Um das besser einschätzen zu können, gibt es das Interpretationspapier "Wesentliche Veränderung von Maschinen" und eine Arbeitshilfe von der BG RCI.   


Darauf müssen Sie bei der Inbetriebnahme und beim Betreiben von Maschinen achten

Sie haben beim Kauf natürlich ein Auge darauf gehabt, dass Ihre neue Maschine eine CE-Kennzeichnung hat. Damit bestätigt der Hersteller, dass er eine Konformitätsbewertung durchgeführt hat und dass die Maschine den gängigen Regelungen und Richtlinien entspricht. Sie haben die Konformitätserklärung als auch eine Betriebsanleitung und Schaltpläne vom Hersteller erhalten.

Alles sicher, denken Sie, dann können wir ja mit der Arbeit loslegen! Moment: Vor der Inbetriebnahme steht die Gefährdungsbeurteilung! Das CE-Kennzeichen darf Sie nicht dazu verleiten, diese auszulassen, denn es entfaltet keine Vermutungswirkung, dass tatsächlich sämtliche Gefahren bekannt und gebannt sind.


Übrigens: Bei unvollständigen Maschinen (das sind Maschinen, die für sich alleine keine Funktion erfüllen können, sondern in andere Maschinen ein- oder angebaut oder mit ihnen zusammengefügt werden) ist der Hersteller verpflichtet, eine Einbauerklärung, eine Montageanleitung und Schaltpläne zu liefern. Die Konformitätserklärung entfällt dann. Diese wird erst später nötig.


Haben Sie die GBU erstellt – was idealerweise schon vor dem Kauf der Maschine passiert – dann müssen Sie mit den sich daraus ergebenden Gefährdungen umgehen und angemessene Schutzmaßnahmen ergreifen. Natürlich gilt auch hier das TOP-Prinzip: Erst sollten Sie alle technischen Schutzmaßnahmen ausreizen, bevor Sie über organisatorische oder persönliche nachdenken.

Außerdem müssen Sie für Ihre Mitarbeiter eine Betriebsanweisung zu Ihrer neuen Maschine erstellen. In dieser müssen Sie mindestens festhalten:

  • Wie sie sicher und bestimmungsgemäß mit der Maschine umgehen, Stichwörter: Anwendungsbereich und Verhaltensregeln.
  • Welche Gefährdungen trotz Schutzeinrichtungen beim Arbeiten an der Maschine noch bestehen.
  • Welche Schutzmaßnahmen zu beachten sind.
  • Wie sich Mitarbeiter bei Störungen verhalten sollten.
  • Welche Prüfungen und Prüffristen es für die Maschine gibt.


Übrigens: Eventuell müssen Gefährdungen durch Schilder an der Maschine gekennzeichnet werden.


Diese Bedienungsanleitung für den sicheren Umgang mit einer Maschine sollten Sie kurz und prägnant und direkt bei der Maschine bereithalten, sodass jeder einen Blick hineinwerfen kann. Piktogramme helfen bei der deutlichen Darstellung. Natürlich müssen Sie Mitarbeiter im Umgang mit Maschinen auch schulen und unterweisen.


Übrigens: Nicht nur der Maschinenbetreiber ist in der Pflicht, auf Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz zu achten. Die Mitarbeiter müssen sich mit der Betriebsanweisung auseinandersetzen und die Verhaltensregeln einhalten sowie vorgeschriebene Arbeitsschutzmaßnahmen befolgen.


Maschinenmanipulation – kleine "Kniffs" mit schweren Folgen

Ein großes Thema im Bereich der Maschinensicherheit ist die Manipulation, also das bewusste und absichtliche Außerkraftsetzen von Funktionen oder Schutzeinrichtungen an Maschinen. Zahlen der Berufsgenossenschaften zeigen, dass Maschinenmanipulation ein weit verbreitetes Phänomen ist: Etwa ein Drittel aller Schutzeinrichtungen an Maschinen ist zweitweise oder dauerhaft manipuliert. 90 % der Personen, die an manipulierten Schutzeinrichtungen arbeiten, wissen das. Etwa ein Viertel aller Unfälle an Maschinen ist auf manipulierte Schutzeinrichtungen zurückzuführen … aber: Nur knapp 7 %, derer, die an einer manipulierten Maschine arbeiten, sehen ein, dass sie die Unfallgefahr damit immens erhöhen.


Manipulation schon in der Planung verhindern

Erstes Ziel des Arbeitgebers ist natürlich, Maschinenmanipulation zu verhindern. Idealerweise haben Sie die Maschine deshalb schon so konstruieren lassen, dass für Ihre Mitarbeiter gar kein Anlass besteht, etwas zu manipulieren. Ein wichtiger Faktor ist hier die Ergonomie. Sind Funktionen umständlich oder unbequem konstruiert, neigen Mitarbeiter dazu, einen "kürzeren Weg" zu wählen – oft über Manipulation. Das IFA bietet eine interessante App an, die den Manipulationsanreiz einer Maschine misst.

Sprechen Sie außerdem ein eindeutiges Manipulationsverbot aus, halten Sie dies schriftlich fest und erklären Sie ganz deutlich, was die Konsequenzen sind, wenn jemand trotzdem mutwillig in die Maschinensicherheit eingreift. Am besten erklären Sie Ihren Mitarbeitern den Sinn der einzelnen Schutzeinrichtungen.


Übrigens: In absoluten Ausnahmefällen dürfen Schutzeinrichtungen umgangen werden, zum Beispiel wenn eine spezielle Instandhaltungsarbeit anders nicht möglich ist. Dann müssen aber Ersatzmaßnahmen ergriffen werden, die schon in der GBU dokumentiert werden müssen …


Was tun, wenn Sie Maschinenmanipulation entdecken?

Sollten Sie bemerken, dass jemand an einer Maschine in Ihrem Betrieb manipuliert hat, dann sollten Sie Folgendes tun:

  • Versetzen Sie die Maschine sofort wieder in einen sicheren Zustand. Geht das nicht, darf sie nicht weiter betrieben werden.
  • Analysieren Sie, was wie bei welcher Tätigkeit manipuliert wurde.
  • Finden Sie als Nächstes heraus , was die Ursachen für die Manipulation waren. Dass Beschäftigte meinen, Schutzeinrichtungen aushebeln oder sichere Arbeitsprozesse "abkürzen" zu müssen, kann viele Gründe haben: Zeitdruck, Produktionsdruck, Fehlen geeigneter Betriebsarten zum Beispiel für die Wartung, Bequemlichkeit …
  • Nach einer sorgfältigen Analyse sollten Sie Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip ergreifen, wie zum Beispiel mehr Zeit zu geben oder Manipulation etwa durch Codes zu erschweren oder leichter erkennbar zu machen.
  • Überprüfen Sie nach einer Weile, ob die Maßnahmen, die Sie ergriffen haben, funktionieren.

Wenn Betreiber nicht sicherstellen, dass gesetzliche Schutzvorgaben eingehalten werden, kann das nicht nur zu schlimmen Arbeitsunfällen führen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Oft muss auch die Versicherung nicht zahlen, wenn ein Unfall an einer Maschine geschehen ist, die manipuliert war.


Predictive Maintenance – Der neue Maschinensicherheits-Trend

Dank Simulationen und 3D-Modellen ist es heutzutage oft schon in einem frühen Stadium der Konstruktion möglich, Maschinensicherheit detailliert zu planen. Und die moderne Sensorik und Messtechnik bringt den nächsten Trend in Sachen Maschinensicherheit: die Predictive Maintenance (PM), die vorausschauende Wartung, liefert sehr genaue Ausfall- und Verschleißprognosen. Laut einer Studie des VDMA ist sie eine der Schlüsselinnovationen im deutschen Maschinenbau. Zwar sehen Maschinenhersteller laut der Befragung eine Leistungssteigerung durch PM als primären Nutzen. Natürlich werden Maschinen aber auch sicherer, je vorausschauender sie gewartet werden können und je weniger sie ausfallen. Messdaten können außerdem auch Aufschluss über mögliche Maschinenmanipulationen geben.

Bleibt abzuwarten, was aus diesem und vielen anderen Zukunftstrends in der Maschinensicherheit in Zukunft wird. Seien Sie als Betreiber auf jeden Fall immer auf dem Stand der Technik, was die Maschinen- und Anlagensicherheit in Ihrem Betrieb angeht!

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