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Arbeitsunfähigkeit: So stark beeinflusst der Beruf die Gesundheit

AOK-Fehlzeiten-Analyse für das Jahr 2018

Wie oft und lange Beschäftigte bei der Arbeit fehlen, hängt eng mit ihrem Beruf zusammen ... Wie eng, das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO): Beschäftigte in den Berufen der Hochschullehre und -forschung hatten mit 4,6 Fehltagen im Jahr 2018 die geringsten Ausfallzeiten. Beschäftigte in der Ver- und Entsorgung, dem Beruf mit den höchsten Fehlzeiten, blieben im Durchschnitt an 32,5 Tagen der Arbeit fern, weil sie krank geschrieben waren. Fast eingeholt werden die Ver- und Entsorger von den Straßen- und Tunnelwärtern mit 31,4 Fehltagen und den Berufen in der industriellen Gießerei mit 30 Fehltagen.

Diese Zahlen erinnern daran, wie wichtig individueller Arbeits- und Gesundheitsschutz sind: "Jeder Beruf beinhaltet ein spezifisches gesundheitliches Risikoprofil. Präventionsangebote im Betrieb müssen daher immer auf die jeweilige Berufsgruppe angepasst werden", so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Der ausgeübte Beruf hat also ganz enormen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten. Durchschnittlich fehlten Arbeitnehmer in den Berufen mit den höchsten Krankenständen im Jahr 2018 26,3 Tage bei der Arbeit. In den Berufen mit den niedrigsten Krankenständen waren es nur halb so viele Fehltage, nämlich 12,8.  Auch wenn man die Altersunterschiede bei dieser Betrachtung ausgleicht, wird das Bild nicht viel besser: Es bleiben bei den Berufsgruppen mit den meisten krankheitsbedingten Fehlzeiten 25,5 Fehltage, bei den mit den wenigsten 13,6 Fehltage.

Das Fazit: Der Beruf, den jemand ausübt, beeinflusst die Gesundheit bzw. die Krankheitsfälle wesentlich stärker als das Alter der Beschäftigten. Schröder fordert Arbeitgeber auf, altersgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen, die den spezifischen Bedürfnissen älterer Arbeitnehmer gerecht werden. Solche Maßnahmen seien eine Investition in den Gesundheitsschutz und gleichzeitig eine gute Maßnahme gegen den Fachkräftemangel.


So stark beeinflusst der Beruf, welche Krankheit jemand hat

Auch die Art der Erkrankung ist oft eng mit dem ausgeübten Beruf verbunden: Wer körperlich hart arbeitet, neigt eher zu Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). Mitarbeiter in der Ver- und Entsorgung fehlten im Jahr 2018 wegen MSE im Durchschnitt 11,6 Tage, Straßen- und Tunnelwärter 11,4 Tage. Betrachtet man alle Berufe, fehlte der AOK-Versicherte im Durchschnitt nur 5,8 Tage, weil er "Rücken hatte" oder andere Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems.

In Dienstleistungs-Berufen sind die psychischen Erkrankungen vorherrschend. Beste Beispiele: Beschäftigte im Callcenter fehlten deswegen durchschnittlich 7,1 Tage. Der Durchschnitt über alle Berufe: 3,0 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen.

Weitere Ergebnisse des AOK-Berichts für das Jahr 2018:

  • Der Krankenstand im Jahr 2018 stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 5,5 %.
  • 19,9 Tage fehlte der durchschnittliche AOK-versicherte Beschäftigte im Jahr 2018 aufgrund einer Krankschreibung.
  • Eine starke Erkältungswelle sorgte dafür, dass die  Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen akuter Infektionen der oberen Atemwege wie zum Beispiel Erkältungen um 0,2 Tage und damit um 10,5 %  im Vergleich zu 2017 stieg. Besonders oft betroffen waren hier Menschen mit viel Kontakt zu anderen Menschen. Callcenter-Mitarbeiter fehlten wegen einer Erkältung im Durchschnitt 4,8 Tage und damit am häufigsten. Kinderbetreuer und Erzieher fehlten 3,6 Tage wegen Erkältungserkrankungen.
  • Auch psychische Erkrankungen sorgten 2018 dafür, dass die Fehltage 2018 stiegen: Jeder Beschäftigte fehlte im Schnitt 0,1 Tag mehr wegen einer psychischen Erkrankung als noch 2017. Das entspricht einem Anstieg von 2,7 %.
  • Nach wie vor sind Beschäftigte wegen einer psychischen Erkrankung überdurchschnittlich lange krank: 26,3 Tage je Fall dauerten psychische Erkrankungen. Im Durchschnitt dauerte eine Krankheit nur 11,8 Tage.

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