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Atemschutzgeräte und Einsatzstellenhygiene: Entwicklungen und Trends

Entdecken Sie Innovationen auf der A+A 2019!

Was die Arbeit unter Atemschutz mit dem demografischen Wandel zu tun hat? Welche Entwicklungen es in Sachen Arbeitssicherheit bei Atemschutzeinsätzen gibt? Was sich in Sachen Einsatzstellenhygiene tut? Alls das erfahren Sie in diesem Beitrag. Die neuesten Trends zu Sicherheit und Hygiene beim Einsatz von Atemschutzgeräten können Interessierte auf der Messe A+A 2019 entdecken, die vom 5. bis 8. November in Düsseldorf stattfindet.


Körperliche Belastungen und Grenzen des Atemschutzes

Atemschutzgeräte schützen ihre Träger, jedoch ist die Arbeit unter Atemschutz eine körperliche Herausforderung. Gerade für ältere Einsatzkräfte bei den Feuerwehren und für ältere Beschäftigte in der Industrie, die solche persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen müssen, ist das ein Problem. Der demografische Wandel ist deswegen für solche Einsatzbereiche ein Thema, das bedacht werden sollte. Siegfried Fiedler, Leiter der Gruppe Atemschutz im Werksfeuerwehrverband Deutschland, erklärt: "Mit abnehmender Fitness, die wir immer wieder auch bei jungen Leuten beobachten, steigen die Anforderungen an den Atemschutz."

Weitere Einschränkungen bei Atemschutzeinsätzen können Bart- und Brillenträger erleben: Sowohl Bart als auch Brille können Ursache dafür sein, dass eine Atemschutzmaske nicht dicht sitzt. Abhilfe können hier bestimmte Hauben leisten, die auf die Luftzuführung abgestimmt sind. "Möglichst wenige Bedingungen sollte es auch für den Einsatz von Atemschutzgeräten im Schichtdienst geben", fordert Fiedler. Und tatsächlich stehen heutzutage verschiedene Möglichkeiten für das Arbeiten unter Atemschutz zur Verfügung – zum Beispiel mit Gebläse unterstützte Filtergeräte, Druckschlauchgeräte, belüftete Schutzanzüge, leichte Isoliergeräte und belüftete Arbeitskabinen.

Aus arbeitsmedizinischer Sicht müssen Atemschutzgeräteträger einen regelmäßigen Eignungstest durchlaufen. Nicht nur für ihre Sicherheit, sondern auch für die ihrer Kollegen müssen sie regelmäßig die Untersuchung G 26 der Berufsgenossenschaften durchführen lassen. Wie oft eine Wiederholung nötig ist, hängt von der Art des genutzten Atemschutzgeräts und vom Alter der Einsatzkraft ab. 


Das ideale Atemschutzgerät

Wichtige Aspekte, damit Atemschutzgeräte möglichst wenig körperlich belasten, sind:

  • einfache Handhabung
  • Tragekomfort
  • geringes Gewicht
  • verringerter Atemwiderstand

Für den jeweiligen Einsatz sollte die ideale Maske herausgesucht werden. Dabei reicht das Angebot von wartungsarmen Halbmasken bis hin zu leichten Pressluftatmern oder Gebläsefiltergeräten. Letztere sind von der Außenluft abhängig, dafür aber viel leichter als ihre außenluftunabhängigen Konkurrenten. Einige Unternehmen bieten Atemschutzgeräte nach dem Baukastenprinzip an, die je nach Einsatz individuell konfiguriert werden können.


Übrigens: Für Atemschutzunfälle gibt es keine Meldepflicht, deswegen ist die Anzahl solcher Unglücke nicht bekannt. Fakt ist aber: Immer wieder passieren hier tödliche Arbeitsunfälle.


Technische Herausforderungen für Atemschutzgeräte-Hersteller

Dr. Adrian Ridder, MIFireE-Member, Teammitglied von atemschutzunfaelle.eu und stellvertretender Abteilungsleiter Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz bei der Feuerwehr Düsseldorf, sieht die Herausforderungen in Sachen Atemschutzgeräte-Herstellung im technischen Bereich. Die neue internationale Norm ISO 17420-1 und -2 legt fest, dass alle Atemschutzgeräte mit Überdruck funktionieren müssen. Laut Ridder arbeiten die meisten Einsatzkräfte schon mit solchen Geräten, aber eben noch nicht alle. Der Experte rät außerdem dazu, Atemschutzgeräteträger im Umgang mit solchen neuen Geräten zu schulen. Atemschutznotfalltrainings könnten bei der Prävention von Unfällen helfen bzw. bei Unfällen dafür sorgen, dass die Beteiligten schnell und optimal versorgt werden.

Die Digitalisierung kann ihren Teil zur Arbeitssicherheit bei Atemschutzeinsätzen beitragen: Vernetzte Überwachung in Echtzeit, Ortungssysteme und Sensoren in Kleidung und Ausrüstung  (smarte PSA)  könnten die Lage am Einsatzort gut abbilden. Allerdings hapert es hier noch bei der Umsetzung, wie Fiedler erklärt: "Die Herausforderung liegt vor allem in stabilen Signalen. Außerdem muss man beispielsweise bei den Vitalparametern genau wissen, was man mit den Signalen anfängt." Blutdruckwerte, Puls und Körpertemperatur sind schließlich individuelle Merkmale und wirken sich bei jedem Menschen anders aus.

Fiedler erläutert weiter, wie Atemschutzgeräte in der Herstellung auf Herz und Nieren geprüft werden: "Unser Arbeitskreis steht in engem Kontakt mit den Herstellern. Es werden Tragetests durchgeführt, um die Qualität der Produkte und Maßnahmen vor ihrer Markteinführung auf Alltagstauglichkeit zu überprüfen."


Einsatzstellenhygiene ist ein weiterer wichtiger Arbeitsschutz-Faktor

Armin Wernick von der Betriebsfeuerwehr Messe Düsseldorf bringt die Arbeit, die nach dem Einsatz zu leisten ist, ins Spiel: "Nach jedem Atemschutzeinsatz sind die Kameraden mit Schadstoffen beaufschlagt." Die Einsatzstellenhygiene ist enorm wichtig und spielt bei der Konferenz für Feuerwehr, Rettungsorganisationen und Industrie eine zentrale Rolle.

"Lange galt, je schwärzer der Helm, desto erfahrener der Mann", sagt Marcus Bätge. Er ist Geschäftsführer der Gesellschaft FeuerKrebs, die sich für die Förderung und nachhaltige Verbesserung der Gesundheits- und Arbeitsbedingungen von Feuerwehrleuten einsetzt. Der Stolz auf den rußschwarzen Helm weiche aber immer mehr dem Bewusstsein für die Hygiene nach dem Einsatz. Studien haben gezeigt, dass Feuerwehrleute durch Rauch, Gase und Mikropartikel ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Die Partikel haften nach dem Einsatz an der Ausrüstung und der Einsatzkleidung und können sich überall verteilen – nicht "nur" im Einsatzfahrzeug, sondern auch bei den Einsatzkräften zu Hause. Gelangen solche gefährlichen Partikel in den privaten Lebensbereich, können sie sogar die Gesundheit von Familienmitgliedern und Freunden der Einsatzkräfte schädigen. Der Kamerad selbst ist aber der größten Gefahr ausgesetzt: Wenn der Schweiß trocknet, gelangen Schadstoffe über die Poren in den Körper.

Bätge erklärt die Grundregeln der Einsatzstellenhygiene: "Es gilt, sich nach dem Einsatz so schnell wie möglich seiner Schutzausrüstung zu entledigen und am besten zu duschen." Die sogenannte Schwarzweiß-Trennung sorgt dafür, dass kontaminierte Gegenstände und Textilien nicht in saubere Bereiche gelangen. Schutzanzüge, bei denen man beispielsweise über ein Reißverschlusssystem die Außenschicht vom Futter trennen kann, sind eine Möglichkeit der Schwarzweiß-Trennung. Die Firma Viking hat eine solche Lösung entwickelt, bei der die Außenschicht nach dem Einsatz in einem wasserlöslichen Beutel verstaut wird, damit auch die Mitarbeiter der Reinigungsfirmen nicht mit den belasteten Teilen in Kontakt kommen.

Ein tolles Praxisbeispiel für die Schwarzweiß-Trennung ist die Feuerwehr Mannheim mit ihrem Dusch- und ihrem Dekontaminationswagen. Beide werden am Einsatzort aufgestellt, die Retter entkleiden sich systematisch noch am Einsatzort, packen die Ausrüstung in Plastiksäcke und laden diese Säcke zusammen mit kontaminierten Gerätschaften ins Dekontaminationsfahrzeug.

Beim Thema Hygiene kommt es vor allem auf das umsichtige Verhalten der Einsatzkräfte an, wie Marcus Bätge betont, der mit Vorträgen zur Einsatzstellenhygiene in ganz Deutschland unterwegs ist. Zwei Beispiele für korrektes Verhalten: "Auch ein Schwelbrand verlangt eine gewisse Ausrüstung und gegessen werden sollte erst nach gründlicher Dusche und Reinigung."


Auch Hersteller und Wäschereien reagieren

Die Hersteller forschen weiter zu Ausrüstungen, die zum Beispiel nicht so viel Schmutz aufnehmen und sich leicht waschen lassen. Sie optimieren Bündchen, damit dort nicht so viele Schadstoffe durchkommen.  Der Schutzkleidungsanbieter S-Gard hat einen Schutzanzug und eine Flammschutzhaube mit Nano-Partikelsperren entwickelt, die auch feinste Rußpartikel von der Haut fernhalten.

Auch bei Wäschereien steht die Forschung nicht still: In neuen Reinigungsverfahren kommt CO2 statt Wasser zum Einsatz. Der Vorteil von CO2, das für den Reinigungsprozess unter Druck verflüssigt und danach wieder gasförmig gemacht wird: Es weist eine 10-fach geringere Viskosität als Wasser auf und kann somit viel besser durch die Faserstrukturen und Membrane gelangen, um toxische Substanzen zu lösen, ohne die Faser zu schädigen. Dieses Verfahren reinigt und dekontaminiert Einsatzkleidung nicht nur besonders effektiv, sondern schont auch die Textilien und sorgt gleichzeitig dafür, dass Schutzfunktionen länger erhalten bleiben.

In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und die Schonung von Ressourcen ein allgegenwärtiges Thema sind, könnten solche Verfahren dafür sorgen, dass Einweganzüge oder Einwegschutzgeräte bald kaum noch nötig sind.

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