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TRBS 2121: Das Wichtigste zur Verwendung von Leitern und Gerüsten

Absturzschutz nach BetrSichV regeln

Wenige Wochen ist die neugefasste Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 2121 "Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz" alt. Sie haben sich noch nicht damit auseinandergesetzt, welche Änderungen diese Konkretisierung der Betriebssicherheitsverordnung mit sich bringt? Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) haben die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Auch wenn viele sie innerlich belächeln mögen: Abstürze von Leitern haben oft schlimme Folgen; von Gerüstabstürzen gar nicht zu sprechen. Beide zusammen machen mehr als die Hälfte aller Absturzunfälle in der Bauwirtschaft und in baunahen Dienstleistungen aus. Und wiederum 50 % der tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle. Die TRBS 2121 erklärt detailliert, worauf Sie bei der Verwendung von Leitern und Gerüsten für einen angemessenen Absturzschutz achten sollten. Damit die Anforderungen und Vorgaben möglichst praxisnah sind, wurden Erkenntnisse aus dem Bau-Unfallgeschehen in die Überarbeitung mit einbezogen.

Für die Bauwirtschaft und die baunahen Dienstleistungen sind besonders Teil 1 und Teil 2 der 5-teiligen TRBS relevant. Teil 1 konkretisiert die Verwendung von Gerüsten. Teil 2 gibt die Anforderungen an die Verwendung von Leitern vor.

Und das sind die wichtigsten Regelungen:

Wesentliche Änderung: Keine Arbeit ohne Absturzsicherung mehr

Eine wesentliche Änderung in der TRBS 2121 ist, dass die Möglichkeit, bei der Arbeit in absturzgefährdeten Bereichen unter bestimmten Bedingungen vollständig auf eine Sicherung gegen Absturz zu verzichten, weggefallen ist. Es muss nun also immer eine wirksame Schutzmaßnahme gegen Absturz eingesetzt werden. Nach wie vor ist klar: PSA ist nachrangig zu technischen Möglichkeiten einzusetzen.

Vorgaben für Leitern aus der TRBS 2121

  • Prüfen Sie, bevor Sie eine Leiter verwenden, ob für die geplante Tätigkeit kein sichereres Arbeitsmittel (z. B. Gerüste oder Hubarbeitsbühnen) verwendet werden kann.
  • Wählen Sie die Leiterbauart, die das geringste Unfallrisiko mit sich bringt. Auf  Plattformleitern stehen Sie zum Beispiel meist wesentlich sicherer und besser als auf Stehleitern.
  • Leitern dürfen nur verwendet werden, wenn höchstens ein Höhenunterschied von 5 Metern überwunden werden soll. Nur wenn Sie einen Arbeitsplatz sehr selten erreichen wollen, dürfen Sie diese Höhengrenze überschreiten.
  • Leitern mit Sprossen sind wegen der Absturzgefährdung und wegen erhöhter ergonomischer Belastungen nicht mehr zulässig. Verwenden Sie ab sofort Leitern mit Stufen.
  • Mit der neuen TRBS dürfen Sie nicht mehr von der Leiterstufe aus arbeiten. Wenn die Leiter als hochgelegener Arbeitsplatz dient, müssen Sie stets mit beiden Füßen auf der Plattform oder der Stufe stehen. Wenn Sie von dieser Regelung abweichen wollen, müssen Sie dies schriftlich in der Gefährdungsbeurteilung mit einem besonderen Grund dokumentieren. Ein Beispiel für eine Ausnahme von dieser Regelung kann die Arbeit in engen Schächten sein.
  • Dauerhaft dürfen Sie auf einer Leiterstufe oder einer Plattform nur arbeiten, wenn die Arbeitshöhe 2 Meter nicht überschreitet. Arbeiten in einer Höhe zwischen 2 und 5 Metern dürfen nicht länger als 2 Stunden pro Arbeitsschicht dauern. Arbeiten in einer größeren Höhe als 5 Meter dürfen Sie von einer Leiter aus gar nicht erledigen.
  • Nutzer müssen eine Leiter vor jeder Verwendung fachkundig durch Inaugenscheinnahme auf offensichtliche Mängel prüfen. Wie das geht und was dabei zu beachten ist, sollte Beschäftigten in Unterweisungen beigebracht werden. Wenn Leitern hohen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt werden, wie etwa auf Baustellen, müssen sie zusätzlich regelmäßig geprüft werden. Die regelmäßigen Leiternprüfungen müssen Sie schriftlich dokumentieren. Hat eine Leiter einen sicherheitsrelevanten Mangel, dürfen Sie sie nicht mehr verwenden.
  • Die BGHM erinnert außerdem an die neue Leiternnorm DIN 131, die für neue Leitern ab drei Metern Länge eine Standverbreiterung vorsieht.

Vorgaben für den Gerüstbau aus der TRBS 2121

  • Wenn Sie ein Gerüst nutzen, ziehen Sie Aufzüge, Transportbühnen und Treppen vor. Leitern sollten nicht verwendet werden.
  • Ist ein Gerüst höher als 5 Meter oder birgt der Zugang besondere Gefahren (dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie Material transportieren), dann müssen Sie eine Treppe, einen Aufzug oder eine Transportbühne benutzen, um auf das Gerüst zu gelangen. Innenliegende Leitern sind nicht mehr erlaubt. Alle 50 Meter muss ein solcher Zugang möglich sein. Ausnahmen bilden hier Gerüste an Einfamilienhäusern, wo innenliegende Leitern bis zu 7 Metern Höhe als Zugang zu Arbeitsplätzen zulässig sind.
  • Für die Erstellung eines Gerüstes können Sie weiterhin Leitergänge benutzen. Neu ist: Bei durchgehender Gerüstflucht auf der obersten Gerüstlage müssen Sie mindestens einen einteiligen Seitenschutz oder ein Montagesicherungsgeländer verwenden. Es sei denn, besondere bauliche Gegebenheiten, wie z. B. Balkone, Erker oder spezielle Gerüstbauarten,  sprechen dagegen.
  • Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) dürfen Sie nach wie vor nur verwenden, wenn technische Schutzmaßnahmen nicht möglich sind oder nicht ausreichen. Für PSAgA benötigen Sie
    1. geeignete Anschlagpunkte
    2. eine gesonderte Gefährdungsbeurteilung
    3. eine gesonderte Unterweisung der Beschäftigten, wie Sie die Schutzausrüstung bestimmungsgemäß verwenden müssen
    4. ein Rettungskonzept und
    5. praktische Rettungsübungen, die Verletzungsgefahren durch Anprallen am Gerüst und Hängetrauma aufzeigen.
  • Wenn PSAgA zum Einsatz kommt, müssen die Beschäftigten einen Schutzhelm mit Kinnriemen tragen.
  • Nur fachlich geeignete Beschäftigte des Gerüsterstellers dürfen Gerüste auf-, um- und abbauen. Außerdem muss der Gerüstbauer einen Plan für den Gebrauch zur Verfügung zu stellen, den der Gerüstnutzer im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen muss.
  • Der Gerüstnutzer muss sicherstellen, dass eine qualifizierte Person das Gerüst auf offensichtliche Mängel überprüft – also dass eine sogenannte Inaugenscheinnahme stattfindet. Er muss außerdem sicherstellten, dass das Gerüst nach der Montage und vor der erstmaligen Verwendung geprüft wird.

Seilzugangstechnik und besondere Arbeitsmittel

Typische Einsatzgebiete für Seilzugangstechnik sind die Fassadenreinigung oder die Wartung von Windenergieanlagen. Kommen solche Zugangs- und Positionierungsverfahren mithilfe von Seilen zum Einsatz, müssen beauftragte Aufsichtsführende gute Kenntnisse in der Baustellen- und Montagestellen-Organisation nachweisen können. Auch hier wird ab sofort zwischen einer Prüfung vor Benutzung (durch den Verwender) und zwischen regelmäßigen Prüfungen unterschieden.

Arbeitsmittel, die nur ausnahmsweise zum Heben von Personen eingesetzt werden, fallen nicht mehr in den Anwendungsbereich der TRBS 2121. Solche Arbeitsmittel sind zum Beispiel Winden oder Arbeitsbühnen, die an Gabelstapler angebaut werden. Stapleranbau-Arbeitsbühnen müssen geeignet und kompatibel mit dem Grundgerät sein. Staplerfahrer müssen beim Einsatz solcher Arbeitsbühnen unterwiesen und eingewiesen werden und schriftlich beauftragt sein. PSAgA ist für die in der Höhe arbeitende Person nach wie vor vorgeschrieben.


Übrigens: Die Neuerungen in der TRBS 2121 stoßen besonders bei den Gerüstbauern auf Widerstand. So sieht die Bundesinnung Gerüstbau beispielsweise steigende Kosten bei zu wenig sicherheitstechnischem Nutzen. Auch die Deutsche Handwerkszeitung befasst sich mit dem "Streit um Geländer".

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