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Sucht bei Mitarbeitern: Erste Zahlen zu riskantem Gaming

DAK veröffentlicht Gesundheitsreport 'Sucht 4.0'

Suchtkranke Mitarbeiter schaden nicht nur sich selbst, sondern auch den Unternehmen, in denen sie arbeiten. Sie sind im Durchschnitt doppelt so oft krank wie nicht süchtige Beschäftigte, sie kommen häufiger zu spät zur Arbeit und sind oft unkonzentriert. Die DAK-Gesundheit hat für ihren Gesundheitsreport 2019 das Suchtverhalten der Beschäftigten in Deutschland unter die Lupe genommen. Die Zahlen und Fakten aus dem Report mit dem Titel "Sucht 4.0" sind beeindruckend. Wer hineinliest, dem wird schnell klar: Viele Beschäftigte leben am Limit. Der Report befasst sich außerdem zum ersten Mal mit dem Thema Computerspielsucht. Demnach zeigen hierbei etwa 2,6 Millionen Erwerbstätige ein riskantes Nutzungsverhalten. Laut DAK gibt es zudem unter den Erwerbstätigen

  • 6,5 Millionen abhängige Raucher,
  • 160.000 Alkoholabhängige,
  • 400.000 Personen, die die Kriterien einer Internet Gaming Disorder bzw. Computerspielsucht zeigen.


Süchtige sind doppelt so oft krank wie nicht Süchtige

Der Krankenstand bei Arbeitnehmern mit Hinweisen auf eine sogenannte "Substanzstörung" war im Jahr 2018 mit 7,6 % doppelt so hoch wie bei den restlichen Arbeitnehmern. Dieser hohe Krankenstand zieht sich bei den Betroffenen über alle Diagnosegruppen, fällt aber besonders im Bereich der psychischen Erkrankungen auf: Hier zeigten Sucht-Betroffene dreimal so viele Fehltage. Bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen war ein Plus von 89 % bei den Krankschreibungen zu verzeichnen, bei den Atemwegserkrankungen waren es 52 % mehr.

Wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, dass Arbeitgeber offen mit dem Thema Sucht umgehen, ihrer Fürsorgepflicht gerecht werden und Mitarbeiter frühzeitig ansprechen, betonte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler.


Alkohol macht am häufigsten krank

Wenn Krankmeldungen direkt wegen Suchtproblemen auftreten, werden diese zu 74 % durch Alkoholmissbrauch ausgelöst. Jeder 10. Arbeitnehmer hat einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum. Das sind etwa 4 Millionen Personen. Und: Je höher der Alkoholkonsum, desto gravierender sind die Auswirkungen auf die Arbeitswelt.

Andreas Storm, der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, vermisst flächendeckende und wirksame Präventionsangebote, wenn es um Alkoholsucht geht, und hat deswegen das neue Online-Selbsthilfeprogramm "Vorvida" freigeschaltet. Das kostenlose Online-Coaching, das auf Smartphones und Tablets läuft, steht allen DAK-Versicherten zur Verfügung, und die Wirksamkeit wurde wissenschaftlich belegt: Bei den Teilnehmern sank das riskante Trinkverhalten um bis zu 75 %.

Weitere Zahlen zur Alkoholsucht bzw. Alkohol im Betrieb:

  • Besonders junge Erwerbstätige zwischen 18 und 29 Jahren trinken riskant: Jeder 6., und damit doppelt so viele wie in der Altersgruppe 40 bis 49, ist betroffen.
  • Je häufiger Beschäftigte an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gearbeitet haben, desto höher ist der Anteil an Alkoholproblemen.
  • Weitere Risikofaktoren sind starker Termin- und Leistungsdruck sowie emotional belastende Situationen.  
  • Jeder neunte Arbeitnehmer mit riskantem Trinkverhalten war in den letzten drei Monaten bei der Arbeit wegen Alkohol abgelenkt oder unkonzentriert. Bei Erwerbstätigen mit einer möglichen Alkoholabhängigkeit waren das sogar 47,3 %.
  • 6,8 % der Beschäftigten mit riskantem Alkoholkonsum kamen wegen ihres Trinkverhaltens zu spät zur Arbeit oder mussten früher gehen. Bei Beschäftigten mit einer möglichen Alkoholabhängigkeit waren es 27,2 %.
  • 3,8 % der Beschäftigten mit riskantem Alkoholkonsum tranken auch bei der Arbeit Alkohol – mehrmals pro Monat oder häufiger. Bei Beschäftigten mit einer möglichen Abhängigkeit waren es 17,2 %
  • 1,4 % der riskant trinkenden Arbeitnehmer gaben an, dass ihr Alkoholkonsum für eine oder mehrere Krankmeldungen innerhalb des vergangenen Jahres eine Rolle gespielt hat. Bei Beschäftigten mit einer möglichen Alkoholabhängigkeit waren es 7,2 %.


2,6 Millionen Beschäftigte an der Grenze zur Computerspielsucht

Der DAK-Gesundheitsreport hat sich zum ersten Mal dem Thema "Gaming" und Computerspielsucht gewidmet. Das Fazit: "„Auch das Gamen beeinflusst die Arbeitswelt und die Gesundheit stark."

Die Zahlen im Überblick:

  • 56,1 % der Erwerbstätigen spielen Computerspiele. 6,5 % bzw. 2,6 Millionen Beschäftigte sind sogenannte "riskante Gamer", bewegen sich also an der Grenze zur Sucht. Auffallend oft finden sich hier junge Erwerbstätige zwischen 18 und 29 Jahren (11,6 %) und Männer.
  •  Jeder Vierte der Beschäftigten mit riskantem Gaming-Verhalten spielt sogar während der Arbeitszeit.
  • Bei Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht verliert sich sogar jeder Zweite während der Arbeitszeit im Gamen.
  • 9,4 % der Arbeitnehmer mit riskantem Spielverhalten waren in den vergangenen drei Monaten wegen des Computerspielens bei der Arbeit abgelenkt oder unkonzentriert. Bei Erwerbstätigen mit Computerspielsucht waren es sogar 34,1 %.
  • 8,6 % der Gamer mit riskantem Spielverhalten kamen deswegen zu spät zur Arbeit oder machten früher Feierabend. Bei computerspielsüchtigen Beschäftigten gaben dies sogar 24,8 % der Befragten an.
  • Bei 0,7 % der Arbeitnehmer mit riskantem Spielverhalten spielte das Gamen eine Rolle für eine oder mehrere Krankmeldungen. Bei den Erwerbstätigen mit Computerspielsucht waren es 9,7 %.


Jeder Fünfte raucht, 5 % „dampfen“

Am verbreitetsten ist bei den Beschäftigten in Deutschland die Sucht nach dem Glimmstängel. 22,2 % der Befragten gaben an, dass sie rauchen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Quote der Raucher bei unterdurchschnittlichen 16,3 %. Stolze 23,6 %, also etwa jeder Vierte, raucht dafür bei den 60- bis 65-Jährigen. Grundsätzlich gibt sich jeder zweite Raucher seiner Sucht auch während der Arbeitszeit hin.

5 % der Erwerbstätigen in Deutschland sind aufs "Dampfen" umgestiegen, das heißt, sie rauchen E-Zigarette. 85 % davon rauchen ein Liquid mit Nikotin. Die meisten Dampfer greifen außerdem regelmäßig zur "normalen" Zigarette. Diese Dampfer-Quote zieht sich über alle Altersgruppen hinweg. "Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten", warnt Andreas Storm. Er fordert ein Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten. Auch E-Zigaretten seien gesundheitsgefährdende Suchtmittel und dürften nicht von einem Tabakwerbeverbot ausgenommen werden.

Der DAK-Gesundheitsreport belegt in eindrucksvollen Zahlen: Das Suchtverhalten der Erwerbstätigen in Deutschland ist nicht nur für die Betroffenen selbst eine riesige Belastung, sondern auch für die Betriebe. Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern und müssen bei auffälligem Verhalten eingreifen. Wer zum Beispiel alkoholisiert Maschinen bedient oder Gabelstapler fährt, gefährdet sich und andere. Viele Tipps, Downloads und Leitfäden dazu, was Arbeitgeber, Arbeitsschutz-Verantwortliche oder Kollegen tun können, wenn ein Mitarbeiter oder Kollege scheinbar süchtig ist, finden Sie über die Links.

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