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Arbeit der Zukunft: ILO-Report zu Gefahren und Arbeitsschutz

Bericht zur Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Mehr als 374 Millionen Menschen weltweit erleiden jedes Jahr einen Arbeitsunfall oder erkranken an einer Berufskrankheit – fast 4 % des globalen Bruttosozialprodukts gehen wegen Fehltagen aufgrund von mangelnder Arbeitssicherheit verloren; in manchen Ländern sind es sogar mehr als 6 %. "Neben den ökonomischen Kosten müssen wir das unermessliche menschliche Leid anerkennen, verursacht durch arbeitsbedingte Unfälle, Krankheiten und Tod. Dies ist umso tragischer, als die meisten Fälle vermeidbar sind", erklärt Manal Azzi, ILO-Spezialistin für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit.

Die oben genannten Zahlen stammen aus dem Report "Safety and Health at the Heart of Future of Work: Building on 100 years of experience", den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz veröffentlicht hat. Zu ihrem 100-jährigen Bestehen blickt die ILO zurück, und gleichzeitig wagt sie einen Blick in die Zukunft. Die Institution definiert in ihrem neuen Bericht sehr genau, welche Faktoren die Arbeitswelt in Zukunft beeinflussen werden.


Das sind die größten Gefahren

Die größten Herausforderungen für Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten bei der Arbeit sind laut der ILO psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz, wie zum Beispiel arbeitsbedingter Stress, und nicht übertragbare Krankheiten in Form von Kreislauf- und Atemwegserkrankungen oder Berufskrebs. Am häufigsten sterben Erwerbstätige durch folgende arbeitsbedingte Krankheiten: Kreislauerkrankungen (31 %), Krebs (26 %) und Erkrankungen der Atemwege (17 %). 86 % der arbeitsbedingten Todesfälle ging eine Berufskrankheit voraus.


Übrigens: 36 % der Erwerbstätigen weltweit leisten "übermäßige Überstunden". Das heißt, dass sie mehr als 48 Stunden wöchentlich arbeiten. In Deutschland sind es um die 11 %.


Die Arbeit der Zukunft braucht einen neuen Arbeitsschutz!

Die Prävention bekannter Risiken dürfe nicht vernachlässigt werden, gleichzeitig müssten Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit aber den grundlegenden Veränderungen in der Welt der Arbeit angepasst werden, erklärt die ILO. "Wir benötigen neue Arbeitsschutz und Arbeitssicherheits-Strukturen, die die neuen Erfordernisse widerspiegeln, neben einer umfassenden Präventionskultur, die Verantwortung schafft und aufteilt", sagt ILO-Frau Azzi.


Die 4 großen Herausforderungen der Arbeit der Zukunft

Der Bericht benennt "vier transformative Herausforderungen, die Veränderungen in der Arbeitswelt der Zukunft beeinflussen, die aber auch Chancen und Verbesserungen bieten können":

  1. Als Erstes wären da die technischen Neuerungen. Die Digitalisierung bringt Roboter in die Firmen oder Nanotechnologie revolutioniert den Einsatz von Materialien. Die Verwendung neuer Materialien kann sich allerdings negativ auf die Psyche auswirken, wenn ihre gesundheitlichen Auswirkungen nicht erforscht sind. Die ILO erklärt aber: Werden neue Technologien korrekt eingesetzt, können sie auch dabei helfen, gefährliche Expositionen zu mindern und bei Weiterbildung und Arbeitsinspektion unterstützen.
  2. Veränderungen durch den demographischen Wandel wirken sich wie folgt auf die Arbeitswelt aus: Junge Beschäftigte haben ein wesentlich höheres Arbeitsunfall-Risiko, während ältere Beschäftigte zusätzliche Unterstützung und Ausrüstung brauchen, um gesund und sicher zu arbeiten. Wandelt sich die Gesellschaft, so muss darauf eingegangen werden.
  3. Industrialisierung und Klimawandel erhöhen die Risiken für Luftverschmutzung, Hitzestress oder neu auftretende Krankheiten. Veränderungen, die durch den ökologischen Wandel verursacht werden, können Arbeitsplätze kosten. Dafür entstehen in der Green Economy neue Arbeitsplätze.
  4. Mobile Arbeit, Telearbeit, Clickwork … Durch neue Formen der Arbeitsorganisation wird Arbeit flexibler, gleichzeitig steigt das Risiko für psychosoziale Belastungen. Stichwörter: ständige Erreichbarkeit, Informationsflut, mangelnde Privatsphäre, unzureichender Arbeitsschutz.  


Neuer Arbeitsschutz muss diese 6 Bereiche umfassen

Die ILO hat bereits 6 Bereiche identifiziert, auf die Entscheidungsträger und Arbeitgeber ein besonderes Augenmerk haben sollten, um die Zukunft der Arbeit erfolgreich und sicher zu meistern:

  1. mehr Aufmerksamkeit für abschätzbare Risiken
  2. multidisziplinäre Ansätze
  3. den Aufbau eines starken Netzwerkes in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge
  4. gezielte Aufklärungsarbeit über potentielle Arbeitsrisiken
  5. Stärkung internationaler Arbeitsstandards und nationaler Gesetzgebungen zum Arbeitsschutz
  6. gute Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Azzi erinnert: "Besondere Beachtung sollte auch den Empfehlungen der Globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit der ILO  beigemessen werden, die besagen, dass Arbeitssicherheit und Gesundheit grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit sind."

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