Nachricht

Hautkrebs: DGAUM fordert Pflichtvorsorge bei Arbeit im Freien

Stellungnahme der DGAUM zum Entwurf der Zweiten Veränderung der ArbMedVV

Wenn Menschen im Freien arbeiten, sollte die Hautkrebsvorsorge als Pflichtvorsorge geregelt werden. Eine Angebotsvorsorge reicht nicht aus, weil Grenzwerte überschritten werden – das findet die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM). Sie wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) um eine Stellungnahme zu geplanten Änderungen der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) gebeten ...

... und die DGAUM bezieht klar Stellung: Bei 138,6 SED/Jahr liege das Toleranzrisiko bei einer UV-Exposition. Kanalbauer erreichen aber bis zu 581 SED/ Jahr. "In anderen Bereichen der Industrie wäre eine derartige Überschreitung der Toleranzgrenze – für Gefahrstoffe – an Arbeitsplätzen nicht zulässig", erklärt die DGAUM ihr vehementes Eintreten für eine Pflichtvorsorge bei Beschäftigten, die im Freien arbeiten. Der Entwurf der ArbMedVV sieht eine Angebotsvorsorge vor.


Übrigens: SED steht für Standard-Erythem-Dosen. Das ist quasi die Maßeinheit bei der Exposition gegenüber UV-Strahlung.


In Deutschland gibt es zwei bis drei Millionen Menschen, die unter freiem Himmel arbeiten. Seit heller Hautkrebs als Berufskrankheit Nr. 5103 "Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung" anerkannt werden kann, also seit 1. Januar 2015, gab es 12.000 Anerkennungen! 2017 war die BK 5103 die am dritthäufigsten anerkannte Berufskrankheit. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft vermutet zudem eine hohe Dunkelziffer, weil viele Betroffene gar nicht zum Arzt gingen. Allein diese Zahlen machen deutlich, wie ernst das Thema UV-Strahlung am Arbeitsplatz und die dadurch entstehenden Hautkrebs-Gefahren sind.

 

TRGS 910 greift auch bei UV-Strahlung

Die DGAUM bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 910 "Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen". Nach dieser werden für den Umgang mit kanzerogenen Arbeitsstoffen Expositions-Risiko-Beziehungen beschrieben und Maßnahmen abgeleitet.

"UV-Strahlung ist ein physikalisches, komplettes Humankanzerogen (Inition, Progression, Promotion)", und deswegen lasse sich das Konzept der TRGS 910 auch auf den physikalischen Faktor UV-Strahlung übertragen. Nach diesen Berechnungen kommt die DGAUM auf das oben genannte Toleranzrisiko von 138,6 SED/Jahr. Welchen Dosen verschiedene Berufsgruppen ausgesetzt sind, hatte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) herausgefunden.

Da eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge in der Regel dann angezeigt ist, wenn Grenzwerte nicht eingehalten werden, liegt für die DGAUM die Sache auf der Hand: Für im Freien Beschäftigte muss es eine Pflichtvorsorge zur UV-Strahlung geben. "Im Fall von kanzerogenen Arbeitsstoffen löst bereits die Überschreitung der Konzentration beim Akzeptanzrisiko eine Pflichtvorsorge aus (AMR 11.1). Die Aufnahme der Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung in die ArbMedVV und die dadurch angezeigte ausschließliche Angebotsvorsorge ist somit mit dem Schutzkonzept bei Exposition gegenüber chemischen Kanzerogenen nicht vereinbar", erklärt die DGAUM in ihrer Stellungnahme weiter.


Übrigens: Angesichts der Diskussion einer Einordnung von UV-Strahlung in die arbeitsmedizinische Vorsorge haben Berufs- und Bauverbände eine Sozialpartnervereinbarung unterschrieben, dass sie bei Exposition gegenüber UV-Strahlung freiwillig Angebotsvorsorge anbieten. Damit soll die Pflichtvorsorge vom Tisch sein.

 

Prävention statt Früherkennung

Die DGAUM erklärt weiter: Bisher seien die Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen bei Allgemein- oder Hautärzten, die die Krankenkassen in regelmäßigen Abständen bezahlen, als Argument gegen eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge bei im Freien Beschäftigten genannt worden. Da es bei diesen Untersuchungen aber um Krebsfrüherkennung und nicht um Vorsorge gehe, sei das nicht ausreichend. Arbeitsmedizinische Vorsorge müsse weit vor der Entstehung einer Krankheit greifen. Sie sei außerdem nicht nur eine Untersuchung, sondern beinhalte auch individuelle Beratung, die den Lichttyp, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme berücksichtige.

"Das Untersuchungsangebot sollte eine Inspektion der lichtexponierten Hautareale beinhalten, insbesondere Rötung und Bräunung (Verhalten) und suspekte Muttermale (Risikofaktor) erfassen und dem zu Untersuchenden die sich daraus ergebenden Konsequenzen erläutern. Eine ausschließliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung hat demgegenüber erst nach jahrzehntelanger Exposition eine rational begründbare Berechtigung", erklärt die DGAUM.

Arbeitgeber könnten die Veranlassung einer Pflichtvorsorge, beispielsweise bei Beschäftigten, die in den Sommermonaten während der Mittagszeit im Freien der UV-Exposition ausgesetzt sind, umgehen, indem sie organisatorische und technische Maßnahmen ergriffen. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Verhältnisprävention.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden