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Abbiegeassistenten für Lkw ab 2022 Pflicht

Neue Fahrzeugmodelle müssen dann den 'Assi' haben

37 Fahrradfahrer starben im Jahr 2017 in Deutschland bei einem sogenannten Abbiegeunfall, bei dem der Fahrer eines Güterkraftfahrzeugs beim Abbiegen einen Radfahrer übersehen hat. 3.100 Mal kollidierten im selben Jahr ein Radler und ein Güterkraftfahrzeug, sodass ein Personenschaden entstand. In jedem dritten dieser Fälle, also bei etwa 1.000 jährlich, handelt es sich ebenfalls um Abbiegeunfälle. Dabei könnten solche Unglücke ganz leicht verhindert werden, wie sich Experten einig sind: 90 % der Verkehrsunfälle gründen auf menschlichem Versagen – hier könnte Technik in Form von Fahrer-Assistenzsystemen Abhilfe schaffen! Im März wurde die Pflicht, solche FAS in Autos einzubauen, auf europäischer Ebene beschlossen.

Zwar scheinen die 3.100 Unfälle zwischen Güterkraftfahrzeugen und Radfahrern im Vergleich zu den 46.200 Unfällen zwischen Pkw und Radfahrern eine verschwindend geringe Anzahl zu sein. Die Folgen eines solchen Unfalls zwischen Mensch und riesigem Fahrzeug sind dafür meist umso schlimmer.

Experten sind sich schon lange einig, was die meist besonders dramatischen Abbiegeunfälle verhindern könnte: Abbiegeassistenten. Die Fahrerassistenzsysteme (FAS) warnen Lkw-Fahrer, wenn sie abbiegen wollen und sich dabei ein "Hindernis" in ihrem Abbiegewinkel befindet. Einige Betriebe und öffentliche Einrichtungen lassen Lkw und andere Güterkraftfahrzeuge mittlerweile auf eigene Kosten damit nachrüsten. Einen ersten Schritt zu einer Pflicht für Abbiegeassistenzsysteme gibt es auch politisch: Ab 2022 müssen bei Lkw und Bussen "neue Fahrzeugtypen auf europäischer Ebene mit Abbiegeassistenzsystemen ausgestattet sein, die den technischen Anforderungen auf UNECE-Ebene genügen", wie der ADAC berichtet. Die UNECE ist die United Nations Economic Commission for Europe.


Übrigens: Anfang des Jahres 2019 startete ein Förderprogramm für Abbiegeassistenten. Bis zu 1.500 Euro konnten Unternehmen an Fördergeld bekommen, um "Assis" nachrüsten zu lassen. Der Fördertopf von 5 Millionen Euro war innerhalb von 4 Tagen leer, seitdem ruht das Programm.


So viele Menschenleben können FAS retten

Die Europäische Kommission (EU-Kommission), die sich im März 2019 auf die neuen Vorschriften einigte, glaubt, dass mit dem verpflichtenden Einbau von Assistenzsystemen in Fahrzeuge bis zum Jahr 2038 etwa 25.000 Menschenleben gerettet und 140.000 Schwerverletzte vermieden werden können.

Neue "Assis" gibt es aber nicht nur für Lkw. Für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse werden folgende Hilfen zur Pflicht:

  • Warnung bei Müdigkeit und Ablenkung
  • intelligente Geschwindigkeitsassistenz
  • Vorrichtung zum Einbau einer Alkohol-Wegfahrsperre (Alkohol-Interlock)
  • Notbremslicht
  • Rückfahrassistent mit Kamera oder Sensoren und die
  • Unfallaufzeichnung durch eine sogenannte "Blackbox".

Pkw und leichte Nutzfahrzeuge müssen weiters mit Spurhalteassistenten und Notbremsassistenten ausgestattet werden. Ab 2025 soll die "Direktsicht-Technologie" in neuen Lkw- und Bus-Modellen Standard sein. Ab 2028 soll sie auch in bestehende Fahrzeugmodelle eingebaut werden. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge mit fortschrittlichen Technologien ausgestattet und generell so konstruiert werden müssen, dass Fahrer andere Verkehrsteilnehmer vom Fahrersitz aus wesentlich besser sehen können. Der "tote Winkel" muss so weit wie möglich reduziert werden.

Bis 2050 soll unter anderem mit diesen Hilfsmitteln die Vision Zero in die Tat umgesetzt werden, dass es keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr mehr gibt. Ein hehres Ziel ...

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