Nachricht

Urlaubsgeld 2019: Wer es bekommt, wer leer ausgeht

Finanzieller Ferien-Zuschuss in Deutschland ungleich verteilt

47,4 % der Beschäftigten in Deutschland bekommen im Jahr 2019 Urlaubsgeld. Das sind 2,6 % weniger als im Vorjahr. Nicht einmal jeder Zweite kommt also in den Genuss dieses freiwilligen Arbeitgeber-Zuschusses für die Urlaubskasse. Bei der Befragung des WSI-Tarifarchiv zum Thema Urlaubsgeld 2019 haben 123.000 Beschäftigte mitgemacht.

Die Verteilung von Urlaubsgeld ist in Deutschland ziemlich ungleich, wie die Erhebung ebenfalls ergab. Welche Faktoren darüber entscheiden, ob jemand Urlaubsgeld erhält oder nicht, sehen Sie hier auf einen Blick:

  • Tarifvertrag: 69 % der Beschäftigten in Unternehmen mit Tarifvertrag erhalten den finanziellen Ferien-Zuschuss. In Betrieben, die nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind, sind es nur 36 %.  
  • Betriebsgröße: Von den Beschäftigten in Kleinbetrieben mit unter 100 Mitarbeitern bekommen nur 37 % Urlaubsgeld. Dagegen dürfen sich 61 % der Beschäftigten in größeren Betrieben mit über 500 Personen über Urlaubsgeld freuen.
  • Region: Im Westen erhalten 49 % der Beschäftigten die freiwillige finanzielle Leistung von ihrem Arbeitgeber, im Osten 35 %. Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs erklärt: "Hier wirkt sich die geringe Tarifbindung in Ostdeutschland spürbar zu Lasten der Beschäftigten aus."Auch dass es in Ostdeutschland weniger Großbetriebe gibt, ist mit Ursache für die unterdurchschnittliche Zahl an Urlaubsgeld-Empfängern.
  • Geschlecht: 50 % der Männer erhalten Urlaubsgeld, aber nur 41 % der Frauen. Dazu erklärt Schulten: "Hier kommt zum Tragen, dass in den Berufen mit einem hohen Männeranteil überdurchschnittlich häufig Urlaubsgeld gezahlt wird." So arbeiten im Bereich der privaten Dienstleistungen viele Frauen, es wird aber selten Urlaubsgeld gezahlt.
  • Branche/Berufsgruppe: Am häufigsten wird in den Chemieberufen und in den Metallberufen Urlaubsgeld gezahlt (66 %). Callcenter sind mit 26 % am unteren Ende der Skala zu finden.

Im öffentlichen Dienst gibt es seit Jahren schon kein Urlaubsgeld mehr, sondern eine Sonderzahlung zum Jahresende. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass nur jeder dritte Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitsberufen Urlaubsgeld bekommt – diese Branchen orientieren sich, was die Arbeitsbedingungen angeht, oft am öffentlichen Bereich.


Wie viel Urlaubsgeld gibt es?

Wer in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet und Urlaubsgeld bekommt, darf sich über Beträge zwischen 155 und 2.450 Euro freuen. Auch für die Höhe des Urlaubsgeldes ist meist die Branche entscheidend, in der jemand tätig ist. Am wenigsten bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft (225 Euro im Westen und 155 Euro im Osten). Wer in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie arbeitet, darf sich über die höchste Summe an Urlaubsgeld in den 22 Tarifbranchen, die das WSI verglichen hat, freuen, nämlich über 2.450 Euro im Westen und 1.492 Euro im Osten.

Kräftige Urlaubsgelderhöhungen gab es in der chemischen Industrie – auf fast das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt dürfen sich Beschäftigte in 11 der 22 untersuchten Branchen über mehr Urlaubsgeld freuen als im Vorjahr. Die übliche Erhöhung lag zwischen 1 bis 8,7 %.


Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden