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Sommer, Sonne, Arbeit im Freien: So vermeiden Sie Haut- und Hitzeerkrankungen!

Schutzmaßnahmen für Baustelle, Gartenbau & Co.

Etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten die meiste Zeit im Freien. Diese Arbeitnehmergruppe ist über das Jahr gesehen einer bis zu dreimal höheren Dosis an UV-Strahlung ausgesetzt als der Rest der Beschäftigten. Am höchsten ist der sogenannte extrapolierte Jahresexpositionswert in Standard-Erythem-Dosen (SED) bei Kanalbauern, Steinbrechern und Dach- und Fassadenbauern. Diese enorme Jahresdosis an UV-Strahlung erhöht das Hautkrebs-Risiko immens. Doch nicht nur die Strahlung, auch die Hitze ist bei der Arbeit im Freien im Sommer gefährlich: Hitzeerkrankungen, von der Hitzeerschöpfung über den Hitzschlag bis hin zum tödlichen Kreislauf-Kollaps, können die Folgen sein. Ältere Menschen und vorbelastete Beschäftigte, bspw. Diabetiker, sind besonders anfällig für eine solche Hitzekrankheit. Und eine dritte Gefahr, die gerne in Vergessenheit gerät: UV-A-Strahlung kann die Augenerkrankung Grauer Star verursachen.

Sommerhitze und Sonneneinstrahlung schädigen die Gesundheit also nicht nur akut, etwa durch einen Sonnenbrand oder einen Hitzschlag, sondern auch dauerhaft und vor allem lebensbedrohlich.

Um Gesundheitsschäden vorzubeugen, sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der "Bringschuld". Arbeitgeber müssen Schutzmaßnahmen veranlassen – wenn Baubeschäftigte allerdings in der prallen Mittagssonne "oben ohne" (also ohne Sonnenschutz für den Kopf und ohne schützende langärmelige Kleidung) herumlaufen, helfen auch die tollsten Maßnahmen des Arbeitgebers nichts. Insofern: Eine regelmäßige Unterweisung ist auch hier das A und O. Arbeitsschutz-Verantwortliche sollten Beschäftigte regelmäßig an die Gefahren durch zu viel Sonne und Hitze erinnern und aufzeigen, welche arbeitsmedizinische Vorsorge und welche Schutzmöglichkeiten es gibt.


Eine steile Karriere: Heller Hautkrebs als Berufskrankheit

Der helle Hautkrebs ist mittlerweile die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit im Baugewerbe. 2.944 Verdachtsfälle wurden allein der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) im Jahr 2018 gemeldet. Über alle Branchen hinweg war der helle Hautkrebs im Jahr 2017 die am dritthäufigsten anerkannte Berufskrankheit: 3.887 Fälle wurden als BK Nr. 5103 eingestuft. Als "Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung" kann die Hauterkrankung seit 2015 als BK Nummer 5103 anerkannt werden.


Übrigens: Bestimmte Medikamente können dafür sorgen, dass die Haut lichtempfindlicher und damit anfälliger für Sonnenbrand und Hautkrebs wird. Beschäftigte, die Medikamente nehmen und viel im Freien arbeiten, sollten ihren Arzt dazu befragen!


Das können Arbeitgeber gegen Sommer-Gefahren tun

Die gute Nachricht ist: Viele Erkrankungen, die durch natürliche UV-Strahlung und Hitze ausgelöst werden, könnten mit technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen vermieden werden. Diese Möglichkeiten gibt es:

  • Arbeit außerhalb von Sonne und Hitze: Die Arbeit in der prallen Sonne und bei größter Hitze sollte vermieden werden – das ist die effektivste Schutzmaßnahme. Grundsätzlich ist die UV-Strahlung zwischen 11 und 15 Uhr am höchsten. Am heißesten ist es aber erst spätnachmittags zwischen 16 und 17 Uhr.
    Zu bedenken ist auch, dass die Sonnen- und Hitzebelastung an hoch gelegenen Arbeitsplätzen größer ist; ein metallischer oder ein weißer Untergrund kann die Hitze noch verstärken. All das sollte bei der Auswahl von Arbeitsort und Arbeitszeit betrachtet werden.
    Mögliche Schutzmaßnahmen sind, die Arbeit im Freien in die frühen Morgenstunden zu verlegen, eine Arbeitsplatzrotation, um die Zeit zu reduzieren, die eine Person unter freiem Sommerhimmel arbeiten muss, oder Arbeitsplätze mit Hilfe von Sonnensegeln zu beschatten. Feste Arbeitsplätze im Freien sollten überdacht werden.
  • Körperliche Belastung minimieren: Weil die Arbeit unter der Sonne schon belastend genug ist, sollten körperlich anstrengende Tätigkeiten auf Randzeiten gelegt oder auf mehrere Personen verteilt  werden.
  • Luft zum Atmen: Belüften Sie Arbeitsplätze mit Hitzebelastung so gut wie möglich.
  • Kühle Pausen: Richten Sie schattige Pausenplätze ein und sorgen Sie dafür, dass Beschäftigte ihre Ruhephasen in einer möglichst kühlen, schattigen Umgebung verbringen können.
  • Klimaanlagen in Baumaschinen und Fahrzeugen: Statten Sie Baumaschinen und Fahrzeuge mit Klimaanlagen aus. So halten Sie den Hitzeschock für Fahrer und Bediener in Grenzen.
  • UV-Schutz im Glas: UV-absorbierende Scheiben, etwa in Bahnen, Bussen oder Gabelstaplern, schützen die Fahrer und Bediener vor UV-Strahlung.


Übrigens: Schutz vor UV-Strahlung für alle, die unter freiem Himmel arbeiten, ist nicht erst im Hochsommer nötig. Schon ab einem UV-Index von 3 (möglich sind Werte von 0 bis 11) können Arbeitsschutz-Maßnahmen sinnvoll sein. Ein UV-Index von 3 kann schon im März und noch im Oktober erreicht werden.


  • PSA mit UV-Schutz zur Verfügung stellen: Manche persönliche Schutzausrüstung gibt es auch in der "Sonnenschutzvariante". Wenn PSA also sowieso nötig ist, sollten Arbeitgeber für im Freien Beschäftigte diese Form der PSA wählen. Die BG BAU bezuschusst zum Beispiel Schutzhelme mit Sonnenschutz und individuellen Sonnen- und Hitzeschutz mit Arbeitsschutz-Prämien.
  • Schweiß- und wasserfeste Sonnenschutzmittel zur Verfügung stellen: Zu empfehlen ist Sonnencreme mindestens mit Lichtschutzfaktor (LSF) 30. Liegt bereits eine Hautkrebserkrankung vor, empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Sonnencreme mit einem LSF von mehr als 50 zu verwenden. Das Hautschutzmittel sollte dick aufgetragen werden. Mit Ölen und Sprays kann oft kein ausreichender und vor allem kein gleichmäßiger Schutz erreicht werden. Sonnenschutzmittel müssen mehrmals am Tag aufgetragen werden, damit der Schutz bestehen bleibt.


Übrigens: Nicht nur das Arbeitsschutzgesetz begründet einen ausreichenden Sonnenschutz am Arbeitsplatz. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) verlangt für Arbeitsplätze im Freien, dass Beschäftigte vor Witterung geschützt bzw. notwendige PSA zur Verfügung gestellt wird. 


  • Getränke zur Verfügung stellen: Kein Muss, aber eine nette Geste ist es, wenn Arbeitgeber Getränke für ihre hitzestrapazierten Beschäftigten bereitstellen. Natürlich eignet sich hier nicht das kühle Bier, sondern antialkoholische Getränke wie Wasser, kalte Früchtetees oder Fruchtschorlen.
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen auffrischen: Rufen Sie den Beschäftigten in einer Unterweisung die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen in Erinnerung! Erklären Sie, welches erste Symptome für eine Hitzeerkrankung sind und was in einem solchen Notfall zu tun ist. Nur so sind gegenseitiges Aufeinanderachten und gegenseitige Hilfe möglich.


Strahlen- und Hitzeschutz für Beschäftigte

Neben diesen Maßnahmen, die der Arbeitgeber ergreifen muss, kann oder soll, gibt es natürlich einiges, was die Mitarbeiter selbst tun können, um trotz Sommer, Sonne und Hitze bei der Arbeit im Freien sicher und gesund zu bleiben. Diese Maßnahmen können Beschäftigte ergreifen:

  • Lange Kleidung – auch im Sommer: Auch wenn es widersinnig scheint – tragen Sie lange, leichte Kleidung, am besten mit UV-Schutz – das schützt die Haut vor direkter Sonneneinstrahlung. Laut der AUVA, der österreichischen  Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, kann das Risiko von Hautschäden durch schützende Kleidung auf ein Fünfzigstel reduziert werden!
  • Schützen Sie alle Körperteile! Nacken, Ohren, aber auch Lippen und Hände werden beim Sonnenschutz gerne vergessen. Schützen Sie bitte Ihren ganzen Körper! Ein Hut mit Krempe bewahrt die Ohren vor zu viel UV-Strahlung; ein Helm mit Nackenschutz schont das Genick. Auch ein leichtes Tuch unter dem Helm getragen, das den Nacken bedeckt, ist ein gutes Hilfsmittel.
  • Augenschutz als Sommer-PSA: Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille, die die DIN EN 172 erfüllt! In dieser Norm sind die Anforderungen an Sonnenschutzfilter für den gewerblichen Bereich beschrieben. Sonnenbrillen, die als PSA gelten, müssen außerdem mit einem CE-Kennzeichen versehen sein.
  • Sonnencreme-Motto: Viel hilft viel! Cremen Sie sich mehrmals am Tag dick und mit einer Creme mit hohem Lichtschutzfaktor ein! Wenn Sonnencreme nicht praxistauglich für Ihre Arbeit auf dem Bau ist, dann verwenden Sie ein Sonnenschutz-Spray. Hauptsache Hautschutzmittel und Hauptsache ausreichend viel!
  • Ernähren Sie sich sommerlich: Trinken Sie viel und essen Sie leicht! Im Idealfall stellt der Arbeitgeber Getränke wie Wasser und Saftschorlen zur Verfügung. Der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt gesunden Menschen bei großer Hitze täglich mindestens drei Liter zu trinken. Ist körperlich anstrengende Arbeit unumgänglich, sollte es sogar noch mehr sein. "Feuerwehrkräfte im Atemschutzeinsatz sollten mindestens eineinhalb weitere Liter trinken", nennt der DFV als Beispiel. Bei den Mahlzeiten sollten Sie zu Salat oder Obst greifen.

Fakt ist: So schön der Sommer ist – bei der Arbeit im Freien zeigt er seine Schattenseiten. Mit den oben genannten Präventionsmaßnahmen können Sie Gesundheitsschäden vermeiden. Es müssen aber beide Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, mit Sinn und Verstand für Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz sorgen, wenn Arbeit unter freiem Sommerhimmel nötig ist.

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