Nachricht

Trotz Digitalisierung: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeitet körperlich hart

Sonderauswertung des DGB Index Gute Arbeit 2018

Lasten heben, Arbeiten über Kopf, in der Hocke oder im Knien: Trotz der Digitalisierung und des Einsatzes von Industrierobotern und Exoskeletten arbeitet immer noch mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland körperlich hart – ein Drittel muss dies sogar regelmäßig tun, 25 % selten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat seine Umfrage "DGB Index Gute Arbeit" aus dem Jahr 2018 im Hinblick auf körperliche Arbeit und Arbeit in ungünstigen Körperhaltungen ausgewertet.


Übrigens: Auch wenn es immer mehr Maschinen, Geräte und Roboter gibt, die komplexe Tätigkeiten verrichten können, gibt es bei körperlich harter Arbeit noch nicht mal eine Tendenz nach unten zu sehen. Im Gegenteil: Waren es 2016 und 2017 "nur" 29 % der Beschäftigten, die sehr häufig oder oft körperlich arbeiten mussten, waren es im Jahr 2018 mehr, nämlich 30 %. Die Anzahl derer, die in ungünstigen Körperhaltungen schuften muss, sank von 54 % in 2016 auf 53 % in 2017 und zumindest auf 52 % in 2018.


Bei der Sonderauswertung kam auch heraus, dass schwere Arbeit keine Männersache ist: 33 % der Männer, aber auch 27 % der Frauen müssen sehr häufig oder oft körperliche harte Arbeit verrichten. Wer nun glaubt, dieses körperliche Schuften sei nur in Bauberufen zu finden, der irrt: Auch in der Dienstleistungsbranche gibt es viele körperlich anstrengende Tätigkeiten, unter anderem in der Pflege oder im Verkauf.


Erholung von der körperlichen Arbeit? Fehlanzeige!

14 % der Befragten gaben im DGB Index Gute Arbeit erschreckenderweise an, dass sie während eines Arbeitstages nie die Möglichkeit haben, sich von der schweren Arbeit zu erholen, indem sie zum Beispiel etwas anderes machen oder eine zusätzliche Pause einlegen. Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen und im verarbeitenden Gewerbe sind Erholungsphasen rar gesät.

Besonders oft müssen außerdem Menschen körperlich schwer arbeiten, die sowieso schon unter schwierigen Bedingungen tätig sind, zum Beispiel in Schichtarbeit oder Zeitarbeit. Eine erstaunliche Kluft, was körperliche Arbeit angeht, zeichnet sich auch ab, wenn man das Bildungsniveau und das Einkommen der Beschäftigten betrachtet: Während 52 % der Befragten mit Hauptschulabschluss körperlich sehr oft oder oft hart arbeiten müssen, sind es bei den Beschäftigten mit Abitur nur 12 %. Von den Beschäftigten, die zwischen 800 und 2.000 Euro brutto im Monat verdienen, gaben ganze 42 % an, dass sie körperlich schwerer Arbeit nachgehen. Bei denen, die mehr als 4.000 Euro im Monat verdienen, waren es nur 6 %.

"Diese Belastungen wirken sich auch auf die Psyche und das Gesamtbefinden aus", wie der DGB erklärt. Körperlich harte Arbeit sei meist mit mehr Hetze am Arbeitsplatz verbunden, die Beschäftigten erführen weniger Respekt und Wertschätzung und seien gleichzeitig höheren Anforderungen an die emotionale Selbstkontrolle ausgesetzt – das heißt, sie müssen ihre Gefühle häufiger unterdrücken und verbergen als andere (sogenannte Gefühlsarbeit).


Harte körperliche Arbeit - schlechter Gesundheitszustand

Grundsätzlich schätzen Personen, die regelmäßig hart arbeiten, ihren Gesundheitszustand schlechter ein als der Rest der Beschäftigten. Auch die Zahl derer, die denkt, dass sie unter diesen Bedingungen nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten kann, ist höher als bei denen, die keiner körperlich beanspruchenden Arbeit nachgehen: Nur 21 % derer, die sehr oft körperlich schwer arbeiten, denken, dass sie bis zum Rentenalter durchhalten können. Bei denen, die nie körperlich anspruchsvoller Arbeit nachgehen, sind es 65 %.


Stellschraube Arbeitsbedingungen

Dabei wäre eine Entlastung der Beschäftigten so einfach, zumindest wenn man auf diese hört: 56 % denken nämlich dass eine Veränderung der Arbeitsbedingungen dafür sorgen könnte, dass sich ihr Gesundheitszustand verbessert. Von denen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden, sind sich ganze 82 % darüber bewusst, dass ihnen mit besseren Arbeitsbedingungen enorm geholfen werden würde.

Auch diese Nachrichten könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden