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Alkohol am Arbeitsplatz – Prävention leben, im Akutfall handeln

Das können Vorgesetzte und Kollegen tun

Alkohol ist der stille tägliche Begleiter vieler Beschäftigter. Laut Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind 5 % der Arbeitnehmer alkoholabhängig, bei Führungskräften sind es sogar bis zu 10 %. Weitere etwa 10 % der Beschäftigten konsumieren Alkohol auf eine problematische Art und Weise. Die Folgen: "Trinker" fehlen häufiger am Arbeitsplatz, sind weniger leistungsfähig und erleiden öfter einen Arbeitsunfall – bei 10 bis 30 % aller Arbeitsunfälle ist Alkohol im Spiel! Alkoholsucht am Arbeitsplatz wird also ganz schnell auch eine Frage der Arbeitssicherheit. Weil Betroffene eine Gefahr für sich, aber auch für die Kollegen und den Betrieb sind, ist Alkoholmissbrauch demnach nicht nur die Privatsache von Beschäftigten, sondern sie geht alle im Arbeitsumfeld an.

Alkoholabhängigkeit ist zwar seit mehr als 50 Jahren als Krankheit anerkannt, und doch schauen viele Zeugen von Alkoholmissbrauch weg; Betroffene geraten ohne Hilfe meist immer tiefer in die Isolation. Im Betrieb müssen Arbeitgeber aber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und sind gezwungen zu handeln. Allerspätestens wenn ein Beschäftigter augenscheinlich betrunken auf der Arbeit erscheint und gar noch gefährliche Tätigkeiten ausführt oder Fahrzeuge bedient, müssen Führungskräfte eingreifen. In akuten Fällen müssen sie die Weiterarbeit untersagen. Scheint ein Mitarbeiter alkoholisiert zu sein und handelt er selbst- oder fremdgefährdend, reicht tatsächlich der "Augenschein" des Vorgesetzten als Grund aus, um ihn am Weiterarbeiten zu hindern. Wirkt ein Mitarbeiter berauscht? Dann handeln Sie!


Übrigens: Ein Bier in der Mittagspause ist nicht verboten. Schließlich gehört die Mittagspause nicht zur Arbeitszeit und der Beschäftigte kann in dieser Zeit tun und lassen, was er möchte, wie Arbeitsrechtlerin Marnie Plehn im t3n-Magazin erklärt. Die anschließende Arbeit darf aber unter dem Alkoholkonsum nicht leiden, deswegen rät die Expertin grundsätzlich dazu, auch in der Mittagspause auf das kühle Blonde oder andere alkoholische Getränke zu verzichten.


Symptome von Alkoholsucht

Doch woran erkenne ich, ob der Mitarbeiter oder der Kollege tatsächlich ein Alkoholproblem hat? Einige Symptome können dafür sprechen, dass eine Person süchtig nach Alkohol ist. Dazu gehören:

  • Verhaltensänderung: auf einmal auftretende häufige Fehltage, neu gehäuft auftretende Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit, Leistungsabfall, häufiges kurzes Verschwinden vom Arbeitsplatz, vermehrtes Auftreten von Fehlern
  • Körperliche Veränderungen: Händezittern, glasige Augen, gerötete Haut, Schweißausbrüche, im Akutfall Gleichgewichtsstörungen, langsame Reaktion …
  • Persönlichkeitsveränderung: Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Aggressivität, gereizte Reaktionen auf Kritik …


Das können Unternehmen tun

Am besten ist natürlich eine gute Suchtprävention im Betrieb, damit es erst gar nicht zu Akutfällen kommt. Betriebe sollten sich außerdem darauf vorbereiten, dass auch bei ihnen ein Vorfall eintreten könnte. Und so geht das:

  • Eine Betriebsvereinbarung bringt Struktur in die Hilfe. Damit nicht die große Ratlosigkeit eintritt, wenn bei einem Mitarbeiter ein Alkoholproblem vermutet wird, empfiehlt es sich also, eine Betriebsvereinbarung zu erstellen, die beschreibt, wie in einem solchen Fall vorzugehen ist. Sie sollte enthalten:
    1. Regelungen zum Umgang mit Alkohol und Konsequenzen bei Verstößen
    2. Art und Ablauf der Hilfe, am besten in Form eines Stufenplans, der beschreibt, wie ein Vorfall ablaufen sollte (Wer muss involviert werden? Wer spricht danach mit der Person …?)
    3. Ablauf der Wiedereingliederung (Vereinbarungen mit der Person, Gespräche, freiwillige Alkoholtests ...)
    4. Liste mit Ansprechpersonen im Betrieb und außerhalb des Betriebs
  • Das Thema Alkohol in Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigen. Vorlagen wie zum Beispiel das Unterweisungskurzgespräch Alkohol  oder die Arbeitssicherheitsinformation "Alkohol im Betrieb und auf dem Arbeitsweg" bieten die Berufsgenossenschaften. Hier gibt es auch Gesprächsleitfäden oder Tipps für die Gesprächsführung.
  • Gesundheitsgerechten Umgang mit Alkohol in die Unternehmenskultur auf allen Ebenen aufnehmen. Natürlich müssen Führungskräfte vorbildlich handeln.
  • Idealerweise binden Betriebe Programme zur Suchtprävention und zur Intervention in eine strukturierte Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) beziehungsweise ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ein. In diesem Rahmen gibt es auch Fördermöglichkeiten.
  • Konsequenzen von Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz aufzeigen und auch durchsetzen. Man spricht davon, dass dadurch bei den Betroffenen ein "konstruktiver Leidensdruck" entsteht, der tatsächlich zur Abstinenz führen kann.
  • Beschäftigte, die Hilfsangebote nutzen wollen, unterstützen: "Eine Verpflichtung, die Hilfsangebote anzunehmen, besteht nicht. Arbeitgeber können jedoch dazu auffordern, einen 'Beratungsnachweis' zu erbringen, wie z. B. die Bescheinigung des medizinischen Fachpersonals einer Entzugsklinik", erklärt die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).


Führungskräfte und ihre besondere Verantwortung

Wie oben schon angeklungen ist, haben Führungskräfte eine besondere Verantwortung, was den Umgang mit alkoholkranken oder alkoholisierten Mitarbeitern angeht. Das können oder müssen sie tun:

  • Für die Suchtprävention sollten sie gute, vertrauensvolle Arbeit ermöglichen und die Gesundheitskompetenz der Mitarbeiter fördern – und natürlich sollten sie selbst ein gutes Beispiel sein.
  • Sie sollten dazu beitragen, für ein eindeutiges Vorgehen bei einem Vorfall zu sorgen.
  • Sie sollten Gespräche mit betroffenen Mitarbeitern führen.
  • Offensichtlich nicht arbeitsfähige Mitarbeiter müssen sie am Weitearbeiten hindern und sie müssen dafür sorgen, dass der Betroffene sicher nach Hause kommt – "bis hinter die Haustür".

 

Übrigens: Natürlich spielen auch Betriebsärzte eine Rolle in der Suchtprävention oder im Umgang mit Akutfällen. Sie dienen als Ansprechpartner bei Fragen und sollten ein Eingliederungsmanagement begleiten.


Das Thema Alkohol offen ansprechen – je früher, desto besser

Grundsätzlich empfehlen Experten, das Gespräch mit augenscheinlich Betroffenen zu suchen. Nicht nur Führungskräfte sind hier gefragt, sondern auch Kollegen können in Dialog mit einem vermeintlich alkoholkranken Mitarbeiter treten. Oft sind es schließlich die direkten Kollegen, die als Erste mitbekommen, wenn "etwas nicht stimmt". Während sie am Anfang häufig bereit sind, alkoholbedingte Ausfälle von anderen zu decken, kommt es in späteren Stadien deswegen häufig zum Konflikt: Der alkoholkranke Kollege wird als nicht mehr tragbar empfunden. Reden Sie, bevor es so weit kommt. So früh wie möglich.

Natürlich ist es nicht einfach, eine Person auf ein vermeintliches Suchtproblem anzusprechen. Schließlich will man sie nicht beleidigen, in die Enge drängen oder bevormunden. Um sich auf einen solches Gespräch vorzubereiten, haben sich Gesprächsleitfäden bewährt. Mit einigen wenigen Tricks können Sie sich schon viel sicherer sein, dass das Gespräch zumindest ein gutes Potenzial hat zu gelingen.

Das Wichtigste beim Umgang mit Alkoholsucht: Seien Sie sensibel! Weder die Führungskraft noch ein Kollege stellen eine Diagnose oder versuchen sich an therapeutischen Gesprächen. Im Gespräch darf es lediglich um die Auswirkungen der Sucht auf die Arbeit und um mögliche Konsequenzen gehen. Bieten Sie Hilfe an – so kann Ihrem Gegenüber der Weg aus der Sucht am besten gelingen.

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