Nachricht

Krisenmanagement: Vorträge und Innovationen auf der A+A 2019

Wissen, Infos und Produkte für das sichere Verhalten im Notfall

Krisenmanagement in Unternehmen: Ein unangenehmes Thema, mit dem sich aber alle Führungskräfte und Arbeitsschützer befassen sollten. Was ist bei einem Großbrand zu tun? Wie sollte die Rettungskette im Notfall ablaufen? Was tun, wenn Gefahrstoffe im Spiel sind? Und wie gehe ich mit einem Hacker-Angriff um? Auf diese und andere Fragen rund um den Notfall im Betrieb sollten in jedem Betrieb Antworten vorhanden sein, um Produktions- und Geschäftsprozesse zu sichern und Personen- als auch wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Auch auf der A+A 2019, der internationalen Arbeitsschutz-Fachmesse, 5. bis 8. November 2019 in Düsseldorf, ist Krisenmanagement ein Thema, das Sie in vielen Vorträgen und an vielen Ausstellerständen behandelt finden. Die A+A ist also der richtige Platz, um sich Information und Inspiration zu holen.

Allein 5 Kurzvorträge befassen sich mit Krisenmanagement in Betrieben. Hier geht es unter anderem um die Bedeutung der Gefahrenabwehr für kleine, mittlere und große Unternehmen, um die Digitalisierung und die Rolle der sozialen Medien im Rahmen der Krisenkommunikation. Am Stand des vfdb, Verein zur Förderung des Deutschen Brandschutzes, stehen Experten für den Dialog mit Fachbesuchern bereit. Vertreten sind u.a. Currenta, Henkel und der Werkfeuerwehrverband Deutschland.


Grundrezept für das Krisenmanagement

Für ein effektives Krisenmanagement brauchen Sie

  • effektive Strukturen
  • gut ausgebildete Menschen und
  • leistungsfähige Technik in einer modernen Sicherheitsausrüstung

Diese Dinge sollten eng miteinander verzahnt und gut eingespielt sein.

Wie gutes Krisenmanagement funktioniert, war zum Beispiel beim Großbrand von Notre Dame zu sehen. Raimund Bücher, Director of Fire Brigade bei Henkel in Düsseldorf, nennt die Arbeit der dortigen Feuerwehr als Paradebeispiel für gutes Krisenmanagement: Die Feuerwehrleute hätten es nach etwa vier Stunden geschafft, das Feuer in der Kathedrale auf den hölzernen Dachstuhl zu begrenzen. So konnten wertvolle Kunstwerke und die reiche Innenausstattung trotz Beschädigungen durch Hitze, Ruß und Löschwasser gerettet werden. Bücher erklärt: "Die Größe des Objekts war sicher eine der besonderen Herausforderungen. Außerdem erforderte das Wissen, dass unersetzliche Kulturgüter gefährdet waren, spezielle Schutzmaßnahmen. Gott sei Dank waren die Eingangstüren zum Zeitpunkt des Feuers schon geschlossen, sodass das Unglück keine Menschen betraf."

Menschen müssen auf Krisen so gut wie es geht vorbereitet werden – natürlich ist das nicht für jede erdenkliche Situation möglich. "Die Anforderungen sind dabei komplex: Schließlich gilt es, einen Brand oder Stoffaustritt innerhalb eines Betriebs genauso bewältigen zu können wie einen Hackerangriff oder die Auswirkungen einer Naturkatastrophe", sagt Norbert Jetten, Leiter Technik bei der BYK-Chemie in Wesel. Das A und O sei ein Team, bei dem jeder wisse, was zu tun sei. "Je nach Größe eines Unternehmens gibt es feste Funktionsbereiche oder Fachabteilungen, die involviert sind", berichtet Stephan Hummel, Leiter des Brandschutzes von Currenta (Manager und Betreiber des Chempark mit drei Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld). Es sei zum Beispiel genau festgelegt, wer Informationen intern und extern weitergebe und wie ein Geschehen analysiert werde. Fragen, die in diesem Zusammenhang schnell, sicher und mit kühlem Kopf zu klären sind, seien etwa: Welche Gefahren sind für Menschen und Umwelt vorhanden?  Welches Areal ist betroffen? Wie sieht die Prognose aus? Von den Antworten hängen auch die Maßnahmen ab, die zum Beispiel die Warnung und die Information der Bevölkerung, die Planung der Gefahrenabwehr und der hierzu benötigten personellen und technischen Ressourcen umfassen.

Sogenannte Multiuser-Standorte nutzen immer mehr den Vorteil der engen Vernetzung: Große Unternehmen wie Currenta verbinden verschiedene Standorte mit mehreren Sicherheitszentralen. Gleiche EDV-Programme erleichtern die Kommunikation; aufeinander abgestimmte Abläufe und Prozesse sichern den Überblick. Die Leistungen werden mit Hilfe modernster Leitstellensoftware weiter optimiert – damit sollen gesetzliche Meldepflichten zukünftig noch schneller erfüllt sowie organisatorische Prozesse und das gesamtes Informations- und Einsatzmanagement gestrafft werden.


Robotik, Drohnen, moderne Löschfahrzeuge

Roboter sind mittlerweile nützliche "Einsatzkräfte", wenn es für Menschen vor Ort bei Bränden oder Naturkatastrophen zu gefährlich wird. So geschehen zum Beispiel bei einem Brand in den Mergelgrotten südlich von Maastricht im Juli 2017. Dort gelagertes Heu war in Brand geraten; Helfer konnten die Höhlen wegen Einsturzgefahr nicht betreten. Die Feuerwehr in Aachen forderte bei der Chempark-Werkfeuerwehr in Leverkusen den Manipulator, einen ferngesteuerten Roboter, an. Das Spezialgerät lieferte wichtige Bilder aus dem Höheninneren, mit dem man sich ein Bild vom Brandgeschehen machen konnte.

Auch Drohnen werden immer häufiger eingesetzt, nicht nur, um Anlagen kontinuierlich zu überwachen, sondern auch damit Einsatzkräfte Ereignisse besser beurteilen können. "Aufnahmen in großer Höhe oder in schwer zugänglichen Bereichen lassen sich unkompliziert und schnell realisieren", erklärt Joachim Beyer, Leiter Security von Currenta-Chempark & Sicherheit (CPS). "Wir setzen Drohnen regelmäßig für Inspektionsflüge, Wärmebildaufnahmen ein und sammeln mit ihrer Hilfe Daten, um Anlagen zu optimieren."

Ein hochmodernes, deutschlandweit einmaliges Turbinenlöschfahrzeug soll bei Currenta ab Ende 2019 zum Einsatz kommen. Ein Hochleistungstriebwerk produziert einen feinen Löschnebel, der bis zu 150 Meter weit gesprüht wird und speziell bei Industriebränden in der Chemieindustrie helfen soll. "Weniger Löschmittel, weniger Wasser bei gleicher Wirkung – das trägt zu mehr Nachhaltigkeit und einer verbesserten Leistung der Feuerwehr bei", fasst Hummel zusammen.


Moderne Technik: Chance für bessere Krisenbewältigung und Risiko zugleich

Mit zunehmender Digitalisierung rücken Risiken wie Datenintegritätsverletzungen, Blackouts, IT-Ausfällen und Shitstorms immer mehr in den Fokus der Arbeit von Krisenmanagern. Aber auch Chancen, die Krisenbewältigung durch moderne Techniken zu verbessern, bringen sie mit sich: Neue digitale Tools helfen dabei, schnell die Informationshoheit zu gewinnen und sie auch zu behalten. Elektronische Meldebücher können dafür sorgen, dass Verantwortliche im Räumungsfall schnell wissen, wer sich noch im Betrieb aufhält. Über hinterlegte Textmodule lassen sich innerhalb von Minuten Pressemeldungen verfassen. Mit Hilfe von Alarmierungsservern können per Mausklick die Mitglieder eines Krisenstabs benachrichtigt werden.

"Der Blick in die Zukunft verspricht selbststeuernde Drohnen, die eigenständig eine Lage sondieren", prognostiziert Hummel. "Selbstfahrende Fahrzeuge werden es ermöglichen, schon auf der Fahrt zum Einsatzort zeitoptimiert Informationen auszuwerten. Und künstliche Intelligenz wird sicher ganz neue Potenziale beispielsweise bei Erkundungssystemen erschließen." Exoskelette sind ein weiteres Beispiel für hochmoderne technische Hilfsmittel: Sie können Schutzfunktionen verbessern und das Heben größerer Lasten erleichtern.


Konventionelle Hilfsmittel sterben nicht aus

Doch manchmal helfen auch in der digitalisierten Welt beim Handling von Schadenslagen nur Papier und Farbstifte: "Papier und Farbmarker stehen noch hoch im Kurs", so BYK-Technikleiter Jetten. "Sie sind von jedermann nutzbar und funktionieren auch dann, wenn der Strom ausfällt. Wo stehen bei Cyber-Attacken bedrohte Server, welche Bereiche sind bei einem Brand oder Stoffaustritt gefährdet, wo verlaufen zum Beispiel Wasser-, Abwasser- oder Stromleitungen. Die Visualisierung ist von zentraler Bedeutung, damit jeder sofort sieht, welche Auswirkungen ein Geschehen auf den Betrieb oder auch das Umfeld gerade hat." Auch die auf dem Lagebild aufbauende Kommunikation ist wichtig: klar, verständlich und frei von Spekulationen soll sie sein. Schließlich soll ein Kommunikationsspezialist eine Aussage auf Anhieb genauso gut verstehen wie ein EDV- oder Umwelt-Experte.


Neue Krisenmanagement-Norm ISO 22320 stellt hohe Ansprüche

Die neue DIN ISO Norm 22320 (Sicherheit und Resilienz – Gefahrenabwehr – Leitfaden für Organisation der Gefahrenabwehr bei Schadensereignissen), deren Entwurf im August 2018 vorgelegt wurde, verlangt auch von kleinen und mittleren Unternehmen zum Thema Krisenmanagement einiges: "Zukünftig müssen Betriebe, die sich zertifizieren lassen möchten, eine entsprechende Organisationsstruktur nachweisen und qualifiziertes Personal einstellen", weiß Henkel-Feuerwehrleiter Raimund Bücher. "Hierfür sind natürlich dann auch Budgets zur Verfügung zu stellen."


Adrenalin macht den Menschen zum Risikofaktor

Wenn Adrenalin bei Gefahr in die Blutbahn schießt, wird der Mensch in seinen Handlungen beeinträchtigt. Rationale Denkmuster setzen aus; die Merkfähigkeit lässt nach; gut überlegte Aktionen fallen schwer. Die einzige Gegenmaßnahme ist Übung, Übung, Übung, denn je öfter Menschen etwas gemacht haben, desto schneller können sie im Ernstfall die Chaos-Phase überbrücken. "Kontinuierliche Übungen trainieren Routinen, die auch im Gefahrenfall schnell abgerufen werden können", so Jetten. Im betriebseigenen "Zirkeltraining", das auf dem Werksgelände stattfindet, sind realitätsnahe Übungen mit verschiedenen Anforderungen zu absolvieren. "Der Rollenwechsel innerhalb der Positionen schärft das Bewusstsein für unterschiedliche Perspektiven von Menschen in der gleichen Situation. Dabei wird alles möglichst echt inszeniert – mit Polizei, Feuerwehr, Rettungskräften."


Krisen außerhalb des Werkgeländes verlangen eine sensibilisierte Bevölkerung

"Normen, Gesetzgebungen und betriebsinterne Übungen alleine helfen nicht. Ausgesprochen wichtig ist, die Bevölkerung zu sensibilisieren, damit diese im Ernstfall richtig reagiert", betont Raimund Bücher. Denn Notfälle und Krisen machen schließlich nicht vor dem Werkstor Halt. In Nordrhein-Westfalen werden deswegen seit 2018 am landesweiten Warntag Sirenen getestet und Probewarnmeldungen zum Beispiel über die Warn-App "Nina" (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) versendet.

Überregionale Übungen gibt es ebenfalls, wie etwa die "Länderübergreifende Krisenmanagementübung" (LÜKEX), an der Organisationen auf Regierungs- und Länderebene beteiligt sind. Durch praxisnahe Übungen soll das Management von nationalen Krisen verbessert werden. Wichtige Helfer bei der Information breiter Bevölkerungsschichten sind außerdem die Feuerwehr und Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Malteser-Hilfsdienst oder Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die regelmäßig Katastrophenschutzübungen durchführen.

Krisenmanagement ist also ein Thema mit vielen Facetten. Auf der A+A 2019 finden Sie die Experten, die für Fragen und Diskussionen bereit stehen.

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden