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Mit Herzrhythmusimplantat zurück an den Arbeitsplatz

DGAUM gibt Tipps und Hinweise für den Wiedereinstieg

Mit einem Herzrhythmusimplantat zurück an den Arbeitsplatz – ist das gefährlich? Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beziehen Stellung und geben Empfehlungen: Wie elektromagnetische Felder von elektrischen Geräten die Funktion von Herzschrittmacher & Co. beeinflussen können – und worauf Beschäftigte und Arbeitgeber achten sollten.

Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 77.000 Herzschrittmacher und über 25.000 Defibrillatoren (ICDs) implantiert. Elektromagentische Felder (EMF), wie es sie im Umgang mit allen möglichen Dingen des beruflichen und privaten Alltags gibt, können die Funktion solcher Herzrhythmusimplantate beeinflussen. Die Zahl der EMF nimmt außerdem immer mehr zu, weil es eben immer mehr technische Geräte gibt.


Übrigens: Wussten Sie, dass es Anzeigepflicht gibt, was Implantate angeht? Das berichtet das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (IFA): "Beschäftigte sind gemäß DGUV Vorschrift 15 §12(3) dazu verpflichtet, dem Arbeitgeber anzuzeigen, dass sie ein Implantat tragen oder bekommen. Dies ist notwendig, damit der Arbeitgeber ggf. Maßnahmen ergreifen kann, um Beschäftigte vor einer möglichen Gefährdung zu schützen."


Trotzdem gibt es gute Nachricht gleich vorweg: "Die modernen Aggregate von Schrittmachern und Defibrillatoren werden von elektromagnetischen Feldern im Alltag in der Regel nicht beeinträchtigt, sofern sie nach Herstellerempfehlung programmiert sind", erklärt die DGAUM. Dennoch sei eine gewisse Vorsicht im Umgang mit einigen elektrischen Alltagsgeräten angebracht.

Die Auswirkungen der Interferenzen von EMF mit aktiven kardialen Implantaten reichen von vergleichsweise harmlosen Fällen, wie einem Moduswechsel des Herzschrittmachers, hin zu inadäquaten, schmerzhaften Schockabgaben bei implantierten Defibrillatoren. Die DGAUM sieht die Gefährdungen durch solche Interferenzen aber als relativ gering an. Die heute gängigen Implantate seien technisch so weit entwickelt, dass die Beeinflussung sehr selten vorkomme: Je nach Studie und Implantat konnten 0,3 bis 0,7 Fälle pro 100 Patientenjahre nachgewiesen werden.


Viele Patienten mit Herzrhythmusimplantaten sind beunruhigt

Trotzdem ist etwa ein Viertel der Patienten beunruhigt und spricht den Arzt bei Nachuntersuchungen darauf an – die Verunsicherung ist also groß. Generell sollten sich Patienten mit Fragen und Bedenken an ihren Kardiologen oder ihren Betriebsarzt wenden, um fundierte Ratschläge zu erhalten. "Viele Patienten schränken sich zudem aus Furcht vor Interferenzen im Alltagsleben unnötig ein", so die DGAUM, die deswegen Empfehlungen für den Umgang mit verschiedenen Alltagsgeräten gibt.


Mobiltelefone und Ladestationen

Durch moderne Mobiltelefone und Smartphones mit Internetfunktion entsteht ein nur sehr geringes Interferenzrisiko. Ein Sicherheitsabstand von 15 cm zum Implantat, wie er noch vor zehn Jahren empfohlen worden sei, sei aufgrund der Telefonie- und Internetfunktion nicht mehr erforderlich. "In Studien mit Smartphones trat nur ein einziger Fall auf, in dem Störsignale nachgewiesen wurden, nachdem das Handy direkt auf die Hautstelle gelegt wurde, unter der sich das Implantat befindet", so die DGAUM.

Zu induktiven Ladestationen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger aber einen Mindestabstand von 10 cm einhalten.


Unterhaltungselektronik und Kopfhörer

Keine Interferenzen konnten bei der Nutzung von MP3-Playern festgestellt werden – diese können Implantatträger also ohne Bedenken nutzen. Lediglich während der Nachsorgeuntersuchung sollten sie nicht in Betrieb sein, weil sie die Telemetrie zwischen Programmiergerät und Implantat stören können.

Bei Kopfhörern oder Lautsprechern ist dagegen Vorsicht angesagt: In ihnen sind Dauermagnete verarbeitet, die Störungen an Herzschrittmachern und Defibrillatoren erzeugen  können. Deswegen sollten sie niemals direkt auf der Stelle platziert sein, an der das Gerät implantiert ist.


Diebstahlsicherungen in Geschäften

Die elektronischen Warensicherungssysteme in den Ein- und Ausgangsbereichen von Kaufhäusern sollten Device-Träger zügig passieren, um sich nicht unnötig lange in deren Magnetfeld aufzuhalten. Akustomagnetische Diebstahlsicherungen seien hier die größte Gefahr. Auch zu RFID-Scannern sollten Herzschrittmacherträger 60 cm und Defibrillator-Träger 40 cm Abstand einhalten.


Metalldetektoren

Kein Risiko besteht für Implantatträger bei Torbogenmetalldetektoren als auch bei handbetriebenen Detektoren, wie sie an Flughäfen verwendet werden.


Reisen und Mobilität

Hybrid- und Elektrofahrzeuge können Implantatträger genauso nutzen wie Flugzeug oder Bahn, ohne sich einer Gefahr auszusetzen – Hier geben die Experten eindeutig Entwarnung: "Reiserestriktionen für Patienten mit aktiven Herzrhythmusimplantaten können auf Basis der zugrunde liegenden Herzerkrankung indiziert sein, nicht jedoch wegen des reinen Vorhandenseins eines kardialen Implantates."


Stromleitungen

Korrekt installierte Stromleitungen haben für Schrittmacher- und ICD-Träger kein Gefährdungspotenzial, was Interferenzen mit EMF angeht. Auch das Unterqueren von Hochspannungsleitungen oder das Überqueren von Erdkabeln birgt keine Gefahren. Dafür sollte auf eine korrekte Erdung von elektrischen Geräten geachtet und defekte Geräte (auch Haushaltsgeräte) sollten nicht in Betrieb gehalten werden. 


Induktionsherde

Zwischen Implantat und Induktionsherd sollte ein Sicherheitsabstand von mindestens 25 cm eingehalten werden. Da dies üblicherweise der Fall ist, stehe einem normalen Gebrauch des Herdes nichts im Wege.


Körperfettwaagen

Schrittmacherpatienten ohne einen ausreichenden eigenen Herzrhythmus sowie ICD-Träger sollten vorerst von der Verwendung von Körperfettwaagen absehen: Die Fallzahlen der bisher existierenden Studien erlauben keine eindeutige Risikoeinschätzung.


Gefährdungen vor der Implantation beurteilen

DGAUM und DGK empfehlen, bereits vor der Implantation zu klären, ob Patienten im beruflichen oder privaten Umfeld starken Störquellen ausgesetzt sind. Elektrischen Geräten sieht man die Stärke der von ihnen verursachten elektromagnetischen Felder nicht an, deswegen ist eine genaue Betrachtung wichtig. Der behandelnde Arzt solle vor dem Eingriff Kontakt zu der zuständigen Berufsgenossenschaft aufnehmen, "um das Risiko schon im Vorfeld durch die individuell richtige Implantatauswahl und die Einstellung der Geräteparameter zu minimieren".


Rückkehr an den Arbeitsplatz

Bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz müsse im Einzelfall entschieden werden, ob der Patient auch weiterhin an seinem bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann oder ob es Einschränkungen gibt. Gefährdungen können besonders bei der Arbeit mit technischem Gerät entstehen oder falls der Patient starken Permanentmagneten ausgesetzt ist. "Die Beurteilung des Arbeitsplatzes sollte immer in enger Abstimmung zwischen Arbeitgeber, Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgen", forderten die Experten in ihrer Stellungnahme. Das primäre Ziel sei immer der Erhalt des Arbeitsplatzes. Wie die Erfahrung zeige, sei die Wiedereingliederung des Implantatträgers in den betrieblichen Alltag in vielen Fällen möglich.

Für neue Implantate wie elektrodenfreie Herzschrittmacher oder rein subkutane Defibrillatoren gaben die Fachleute noch keine Empfehlungen ab. Dafür gebe es keine ausreichende Datenbasis.

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