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New Work und Arbeit 4.0: Das erwarten Beschäftigte davon

Ergebnisse einer Bitkom-Befragung zur Zukunft der Arbeit

Können Sie sich vorstellen, dass jeder zehnte Berufstätige in Deutschland schon keinen eigenen Schreibtisch mehr hat? Homeoffice, Co-Working oder Remote Work machen es möglich, dass Büroarbeiter nicht mehr den ganzen Tag an ihren Bürotisch gefesselt sind, sondern am Shared Desk oder im "non-territorialen Büro" arbeiten. Wie der Digitalverband Bitkom herausgefunden hat, sind 92 % der deutschen Beschäftigten sowieso offen für sogenannte "New-Work-Konzepte". Nur 6 % lehnen sie ab.

Unter "New Work" versteht man moderne Arbeitskonzepte, die der Digitalisierung Rechnung tragen und Arbeit orts- und zeitflexibler gestalten. Oft wird darüber gestritten, ob solche flexible Arbeit mehr Vor- oder mehr Nachteile mit sich bringt. Denn flexible Arbeit ist zwar, wie der Name schon sagt, flexibel und lässt sich besser in den Alltag integrieren. Auch Berufspendlern kann mobile und flexible Arbeit das Leben erleichtern. Andererseits lässt sie auch oft die Grenzen zwischen Privatem und Beruf verschwimmen - das führt zu Stress und kann in letzter Konsequenz auch wieder krank machen. Trotzdem: Die Chancen, die die moderne Arbeitswelt mit sich bringt, sind nicht von der Hand zu weisen. Bitkom wollte von 1.002 Beschäftigten nun also wissen, was sie von New Work halten, was sie sich davon wünschen und wovor sie Angst haben. Das sind die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Von den Befragten, die für New Work offen sind, wünschen sich:

  • 96 % die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit frei einzuteilen
  • 94 % eine sinnstiftende Tätigkeit
  • 93 % flache Hierarchien
  • 90 % die Möglichkeit, ihre Leistungs- und Lernziele selbst festzulegen
  • 82 % eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • 71 % regelmäßig wechselnde Arbeitsaufgaben, also Job-Rotation
  • 96 % einen Arbeitgeber, der Werte vertritt, mit denen sie sich identifizieren können.
  • 92 % einen Arbeitgeber, der gesellschaftliche Verantwortung übernimmt
  • 72 % auch für Führungskräfte die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten


Geschlechterklischees ade!

In der neuen Arbeitswelt spielt die Gleichstellung von Männern und Frauen eine zentrale Rolle:  97 % der Befragten finden, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden sollten. 79 % meinen sogar, dass divers zusammengesetzte Teams, etwa mit Unterschieden in Geschlecht, Alter oder Herkunft, bessere Arbeitsergebnisse erzielen. 87 % geben immerhin an, ihr Arbeitgeber nehme das Thema Gleichstellung ernst. Allerdings gibt es nur bei 57 % Frauen in Führungspositionen.


Neue Arbeit – neue Büroflächen

Die Arbeit der Zukunft bringt die Notwendigkeit mit, Büroflächen umzugestalten. "Neue Raumkonzepte setzen sich allmählich in deutschen Büros durch", erklärt Bitkom auf Basis seiner Umfrage. Das bringt mit sich, dass nur noch 27 % im Einzelbüro vor sich "hinschmoren". 37 % haben ihren Arbeitsplatz in einem Mehrpersonenbüro mit zwei bis vier Mitarbeitern.


Großraumbüro – Top oder Flop?

In Großraumbüros arbeiten 22 % der Befragten, aber 68 % haben in ihrem Arbeitsleben Großraumbüro-Erfahrungen gemacht. Ob diese Form der Büroarbeit Top oder Flop ist, darüber scheiden sich die Geister: 66 % finden, dass die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern in Großraumbüros besser ist, 45 % sehen einen stärkeren Zusammenhalt im Team und ebenfalls 45 % eine größere Zufriedenheit der Mitarbeiter. 56 % finden dagegen, dass die soziale Kontrolle erhöht ist; 48 % berichten von stärkerer Ablenkung und geringerer Produktivität. Studien haben sogar gezeigt, dass die Arbeit im Großraumbüro krank machen kann.


Büroausstattung: Klassiker und Exoten

Eine neue Arbeitswelt bringt auch eine neue Ausstattung des Arbeitsplatzes mit sich. Folgende Klassiker und Exoten finden sich in deutschen Büros.

  • Mit 94 % gehört die Kaffeeküche zum Büro schon fast überall dazu
  • 31 % können in einer Kantine essen
  • 31 % verfügen am Arbeitsplatz über Rückzugsmöglichkeiten zum Stillarbeiten
  • 30 % können Grünflächen mit Sitzgelegenheiten beziehungsweise eine Dachterrasse genießen
  • 27 % haben einen Lounge-Bereich zur Benutzung
  • Design-Thinking-Räume gibt es allerdings nur für 6 % der Befragten
  • 5 % können in Telefonkabinen kommunizieren
  • 4 % haben Sport- oder Fitnessräume zur Verfügung


Zettel und Stift beliebt auch in New-Work-Konzepten

Während bei den Arbeits- und Kommunikationsmitteln alle Zeichen auf Digitalisierung stehen, sind 97 % der Befragten mit Schreibmaterialien, Locher und Klammeraffe immer noch voll und ganz analog ausgestattet. 69 % verwenden immer noch gern die beliebten Klebezettel bzw. Post-its. Drucker haben 97 % der Befragten an ihren Arbeitsplätzen, 93 % haben ein Telefon und – Achtung – 72 % haben ein Faxgerät zur Benutzung. Da können Smartphone (65 %), Laptop (55 %) und Tablet (34 %) nicht mithalten.

An die Politik stellen Berufstätige in Sachen New Work folgende Forderungen:

  • 91 % fordern, dass sich auch Selbstständige verpflichtend fürs Alter absichern sollten
  • 74 % finden, dass die Regelungen zur Beteiligung von Mitarbeitern am finanziellen Erfolg von Unternehmen vereinfacht werden sollten
  • 63 % finden gelockerte Regelungen zum Arbeitsschutz gut, um Homeoffice zu erleichtern und es Startups leichter zu machen
  • 58 % wünschen sich die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit
  • 46 % finden, dass alle Beschäftigten eine Auszeit nehmen können sollten, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, mit dem Recht auf Rückkehr in den alten Job.
  • 45 % fänden gar ein Recht auf Homeoffice gut


Frage der Arbeitszeiterfassung spaltet Berufstätige

Während ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Mai 2019 fordert, dass alle Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Arbeitnehmer systematisch erfassen, finden 53 % der befragten Beschäftigten das Prinzip der Vertrauensarbeitszeit viel besser; nur 41 % befürworten die genaue Arbeitszeiterfassung. Diese ist übrigens für 77 % der Befragten Usus, weil der Arbeitgeber das sowieso schon fordert. Nur 13 % notieren sich ihre Arbeitszeiten von sich aus.


Was bringt die Digitalisierung mit sich?

Gefragt danach, was die Digitalisierung mit sich bringt, denken

  • 91 %, dass digitale Technologien eine große Bedeutung für ihr Arbeitsleben haben
  • 55 % rechnet damit, dass sich ihr Arbeitsplatz bis 2030 durch neue Technologien verändern wird
  • 8 % haben Angst, deswegen ihren Job zu verlieren
  • Insgesamt sehen 66 % in der Digitalisierung eine Chance für ihre berufliche Situation, 32 % eine Gefahr.


Digitalkompetenz wird immer wichtiger für beruflichen Erfolg

Dass Digitalkompetenz für die meisten Jobs immer wichtiger wird, ist nicht von der Hand zu weisen. 30 % der Befragten meinen, dass sie künftig die wichtigste Fähigkeit überhaupt für ihren Arbeitsplatz sein wird (2017 waren es erst 8 %). 68 % denken, dass Digitalkompetenz zumindest genauso wichtig sein wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. Tatsächlich niemand (0 %) glaubt, dass Digitalkompetenz künftig von untergeordneter Bedeutung sein wird (2017: 11 %). 78 % sehen digitale Technologien als unerlässlich für ihre Arbeit, 67 % finden sogar, dass sie bei der Arbeit motivieren, und 62 % denken, dass sie die Arbeit produktiver machen. Die Nachteile sehen 34 % darin, dass digitale Technologien oft nicht funktionieren, 23 % fühlen sich von der Informationsflut überfordert, bei 11 % rufen sie Stress hervor.

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