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Unterschätzte Gefahr: Absturz vom Lkw

Trotz geringer Fallhöhe betreffen mehr als zwölf Prozent aller schweren Absturz-Unfälle Lkw-Fahrer. Darüber berichtet die Berufsgenossenschaft der Verkehrswirtschaft, Post-Logistik und Telekommunikation (BG Verkehr) in der Herbstausgabe ihrer Mitglieder-Zeitschrift „Sicherheitsprofi“. Ihr Appell an Fahrer und Arbeitgeber: Beachten Sie vorhandene Betriebsanweisungen und Vorschriften, halten Sie Ihre Arbeitsmittel in Ordnung!

Begriffserklärung

Von einem „Arbeitsunfall durch Absturz“ spricht man bei Fallhöhen über einem Meter.

Abgesehen von tödlichen Unfällen gilt ein Arbeitsunfall als „besonders schwer“, wenn er zu einer dauerhaften Einschränkung der Erwerbstätigkeit von mindestens 20 Prozent führt, ein Betroffener also lebenslang an den Unfallfolgen leidet. Bei schwerwiegenden Unfallfolgen zahlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) eine Unfallrente.

Absturzunfälle in Zahlen

Eine Analyse der Rentenfälle aus dem Jahr 2014 ergab, dass 2703 neue Unfallrenten aufgrund von Absturz einer Person zu zahlen waren – bundesweit und über alle Branchen hinweg. Bei 327 verunfallten Personen (12,1 Prozent) handelte es sich um „Fahrer schwerer Lkw“. Damit waren Lkw-Fahrer die mit Abstand am häufigsten betroffene Berufsgruppe, gefolgt von Dachdeckern (145), Bauelektrikern (149) und Maurern (125 Fälle).

Welche Arbeiten sind unfallträchtig?

Die BG Verkehr hat dazu etwa 1000 Arztberichte und Anzeigen zu meldepflichtigen Arbeitsunfällen ausgewertet. Dabei ergaben sich drei typische Unfall-Situationen für Lkw-Fahrer:

Sturz von Ladeflächen und Fahrzeugaufbauten (54%): Dazu gehören die Sicherung und Kontrolle von Ladungen, das Öffnen und Schließen von Verdecken, das Aufsteigen auf Ladeflächen und die Befestigung von Planen am Lkw. Diese Arbeiten werden auf begrenztem Raum ausgeführt und erfordern oft einen hohen Kraftaufwand – das macht sie unfallträchtig. Wichtige Sicherheitsmaßnahmen betreffen die Gestaltung von Zugängen, Aufstiegen, Haltegriffen und Arbeitsflächen.

Absturz beim Einsteigen ins Fahrerhaus sowie beim Aussteigen daraus (15%): Die Aufstiege ins Führerhaus, über die eine Höhe von 1,5 Metern überwunden werden muss, sind aufgrund der kompakten Bauweise sicherheitstechnisch nicht ideal (zu steil, kein Geländer etc.). Die Betriebsanweisung der BG Verkehr (kostenloser Download) zeigt, was für das sichere Ein- und Aussteigen ins bzw. aus dem Lkw-Führerhaus zu beachten ist.

Sturz von der Leiter (11%): Da Leiterunfälle ein branchenübergreifendes Problem sind, wurde die Vorschrift dazu geändert. Das Arbeiten auf Leitern ist jetzt grundsätzlich nur erlaubt, wenn beide Füße auf einer Stufe (nicht Sprosse!) oder Plattform stehen. Was die TRBS 2121 sonst noch vorschreibt, lesen Sie hier.

Die bei solchen Unfällen erlittenen Verletzungen werden gerne als Kleinigkeiten abgetan. Zumeist handelt es sich um Bänderrisse, Zerrungen, Verstauchungen, Brüche oder Prellungen. Stürzende Lkw-Fahrer können sich häufig schlecht abfangen und schlagen ungebremst auf harte Böden auf. Die Verletzungen können sehr schmerzhaft sein und führen nicht selten zu mehrwöchigen Ausfallzeiten. Schon dieser Umstand ist Grund genug für Führungsverantwortliche, die Lkw-Fahrer für Risiken zu sensibilisieren, auf die Beschaffenheit der Aufstiege zu achten, ein waches Auge zu behalten und mögliche betriebliche Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen.


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