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Sitzen dritthäufigster Risikofaktor bei der Arbeit

Erste Ergebnisse der europaweiten ESENER-3-Befragung von 2019

Wie gehen Organisationen mit mehr als fünf Beschäftigten mit Sicherheits- und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz um? Und wie entwickelt sich das, national wie auch im europäischen Vergleich?

Darüber soll die Europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken (ESENER) Aufschluss geben. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat im Frühjahr und Sommer zum dritten Mal tausende Unternehmen und Organisationen in insgesamt 33 Ländern gebeten, an einer Befragung teilzunehmen mit folgenden Schwerpunktthemen:

  • Allgemeine Sicherheits- und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz und der Umgang mit diesen Risiken
  • Psychosoziale Risiken wie Stress, Mobbing und Belästigung
  • Triebkräfte und Hindernisse beim Management von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Arbeitnehmerbeteiligung an Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz

Befragt wurden private und öffentliche Unternehmen und Organisationen durch alle Bereiche der Arbeitswelt, ausgenommen private Haushalte. Alle 28 EU-Mitgliedstatten nahmen daran teil, außerdem Island, Nord-Mazedonien, Norwegen, Serbien und die Schweiz. Insgesamt wurden 45420 Organisationen befragt, 2250 davon in Deutschland.

Nach den Studien ESENER-2 (2014) und ESENER-1 (2009) ist das bereits die dritte, groß angelegte Vergleichsstudie ihrer Art gewesen. Erste Ergebnisse daraus wurden jetzt veröffentlicht, weitere Analysen sollen folgen.

Haupterkenntnisse aus der Studie ESENER-3: Die bereits 2014 am häufigsten genannten Risikofaktoren haben sich in ihrer Bedeutung noch verstärkt (alte Werte in Klammern).

Sich wiederholende Arm- und Handbewegungen – problematisch in 65% der befragten Organisationen (52% waren es 2014).

Umgang mit schwierigen Kunden, Schülern oder Patienten – 61% (58%)

Heben und Bewegen schwerer Personen oder Lasten – 54% (47%)

Die meisten genannten Haupt-Risikofaktoren werden länderübergreifend mehr oder weniger gleich gesehen. Ausnahme ist der Faktor Zeitdruck: Dieser spielt EU-weit nur in 44 Prozent der befragten Einrichtungen eine Rolle, ist aber der Hauptrisikofaktor in Finnland und Schweden (74%) sowie in Dänemark (73%). In den Niederlanden erreicht er mit 64% Platz 2.

Auf Platz 3 der am häufigsten genannten Risikofaktoren für die Gesundheit kommt EU-weit das längere Sitzen (59% aller Einrichtungen nennen das). Dieser Punkt kam erstmals in der Befragung vor und bringt einmal mehr zu Bewusstsein, dass längeres Sitzen ein Risiko für die Gesundheit bedeutet. Im Bereich Finanzen, Versicherungen und Kommunikation wird es in 92% aller Einrichtungen als Risikofaktor genannt, in öffentlichen Verwaltungen in 89%.

ESENER 3 - Grafik zu Risikofaktoren

Psychosoziale Belastungen werden als höher wahrgenommen, je größer ein Unternehmen ist. Am niedrigsten wird das Risiko dafür im Handwerk und in der Landwirtschaft gesehen, am höchsten im sozialen Bereich und in der Pflege.

Mit diesem Risiko umzugehen, erweist sich als schwierig, da Betroffene häufig sehr zurückhaltend sind und es an kompetenten Strategien für die Linderung von Belastungen dieser Art mangelt.

5% der untersuchten Einrichtungen geben an, keine der Sicherheits- und Gesundheits-Risikofaktoren bei sich zu haben. Psychosoziale Risikofaktoren sehen 24% der Einrichtungen bei sich nicht gegeben.

Bei der Frage, wie viele Einrichtungen regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen vornehmen, liegt Deutschland, wie 2014, unterhalb des EU-Durchschnitts, auf Platz 24 von 33 in der Studie aufgenommenen Ländern.

Als Hauptgrund für den Verzicht auf regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen wird genannt, dass bereits alle Gefahren und Risiken bekannt seien (83%), dass man keine besonderen Probleme im Bereich Sicherheit und Gesundheit habe (80%), wie noch vor 2014. Offene Frage: Sind besonders kleinere Unternehmen tatsächlich sicherer geworden, oder ist man sich der Gefahren nur weniger bewusst?

Im Bereich Mitarbeiter-Partizipation bildet Deutschland im Europavergleich fast das Schlusslicht bei der Auswahl der Sicherheitsbeauftragten: Die werden hier in 83% aller Fälle vom Arbeitgeber bestimmt und in weniger als 10% aller Fälle von den Beschäftigten gewählt.

Neugierig geworden? Dann laden Sie sich die erste Auswertung der ESENER-3-Studie selbst herunter. Bisher ist sie nur auf Englisch zu haben, ein PDF-Dokument von 15 Seiten Umfang, mit einigen übersichtlichen grafischen Darstellungen.


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