Publikation (Broschüre)

Hirndoping am Arbeitsplatz

Wenn der Mensch sich selbst optimiert - Risiken und Nebenwirkungen

Arbeitsverdichtung, Leistungsvergleiche, Zukunftsangst und Versagensgefühle: Die Ansprüche an den Einzelnen wachsen, privat wie auch im Job. Manche Gesunden greifen da zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, um diesen Ansprüchen weiter entsprechen zu können oder wenigstens die eigene Angst zu mildern. Von „Hirndoping“ oder „Neuroenhancement“ spricht man dann.

Zum Hirndoping gibt es wenig aktuelles Zahlenmaterial. Der DAK-Gesundheitsreport von 2015 hat einen starken Anstieg der Doping-Fälle innerhalb von wenigen Jahren verzeichnet. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat daraufhin ihren Wegweiser „Hirndoping am Arbeitsplatz“ aktualisiert, worin das Phänomen des Medikamenten-Missbrauchs beschrieben und Präventionsansätze genannt werden.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat in einer eigenen Studie die Bereitschaft zu Neuroenhancement in vier Berufsgruppen untersucht, die durch hohe Anforderungen an zeitliche, kognitive, physische oder psychische Dauerleistungen und Zeitdruck gekennzeichnet sind: Ärzte, Programmierer, Werbefachleute und Publizisten. Seit Ende 2017 liegt dieser Bericht auch als E-Book zum kostenlosen Download vor. Beachtenswert ist auch die Broschüre "Medikamente am Arbeitsplatz - eine unterschätzte Gefahr", die die Unfallkasse Post und Telekom (UK PT) herausgegeben hat.

Dr. Marlen Cosmar vom Iga stellt Wissenswertes zum Thema „Neuroenhancement: Hirndoping im Job“ in einer übersichtlichen Power-Point-Präsentation zusammen. 

Nach DAK-Gesundheitsreport haben ca. 7 Prozent der Erwerbstätigen bereits einmal zu einem „Hirndoping“-Mittel gegriffen. Weitere 11 Prozent gelten als „Aufgeschlossene“, die die Einnahme solcher Medikamente nicht grundsätzlich ablehnen. Dabei ist Hirndoping kein „Manager-Problem“: Häufiger greifen gering ausgebildete Erwerbstätige nach solchen Substanzen.

Gründe für Neuroenhancement

  • Erhöhung der eigenen Stress-Resistenz
  • Hilfe bei der Bewältigung von Belastungsspitzen
  • Stimmungsverbesserung, mehr „Lockerheit“ in Gesellschaft

Wirkungen und Nebenwirkungen

Die Wirksamkeit der Medikamente für die gewünschten Zwecke ist begrenzt und oft nur von kurzer Dauer. Während der Nutzen dieser Substanzen überschätzt wird, werden ihre Nebenwirkungen allerdings weit unterschätzt: Nicht selten besteht ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial, erhöhtes Unfallrisiko, sie können zu Persönlichkeitsveränderungen führen, zu Leistungseinbußen, und soziale oder auch finanzielle Probleme erzeugen.

Risikogruppen

  • Stark beanspruchte Beschäftigte
  • Beschäftigte, die sich schwer von der Arbeit distanzieren können
  • Personen mit (psychisch) schlechtem Gesundheitszustand
  • Beschäftigte mit regelmäßigen Überstunden
  • Schüler/Studenten mit geringer Fähigkeit zur Selbstorganisation und hoher Stressanfälligkeit

Präventions-Ansätze

  • Gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung
  • Informationen zu Risiken von Hirndoping
  • Förderung individueller Bewältigungskompetenzen

Betrieblich

  • Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung und das Betriebliche Gesundheitsmanagement
  • Reduzierung von Zeit- und Leistungsdruck
  • Hinterfragen des Nutzens von Leistungsvergleichen
  • Unsichere Beschäftigungsverhältnisse vermeiden oder so früh wie möglich über Perspektiven informieren
  • Unterstützung und Qualifizierung bei hohen emotionalen Anforderungen
  • Work-Life-Balance unterstützen
  • Ansprechpartner bei beruflicher oder auch privater Überforderung anbieten, Kontakt zu Beratungsanbietern herstellen
  • Betriebsvereinbarung zum Thema Sucht inklusive Hirndoping

Laden Sie sich den Iga-Wegweiser, der nichts von seiner Aktualität verloren hat, über unseren Link herunter.


Auch diese Broschüren könnten Sie interessieren:

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden