Publikation (Broschüre)

EU-OSHA: Bericht zu aktuellen und zukünftigen Risiken bei der Arbeit im Gesundheitswesen

Schwerpunkte: Pflege zu Hause und in Gemeinschaftseinrichtungen

10% der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten im Gesundheits- und Sozialwesen. Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz für diese Branchen betrifft also viele Menschen. Mit dem englischsprachigen Bericht „Current and emerging issues in the healthcare sector, including home and community care“ zeigt die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) aktuelle und zukünftige Risiken für Beschäftigte in diesen Branchen auf. Ein Schwerpunkt des Berichts ist der laut EU-OSHA bislang vernachlässigte Bereich Pflege zu Hause und in Gemeinschaftseinrichtungen. Ein akutes Thema, denn die Tatsache, dass die Menschen länger leben und häufiger langfristige Pflege brauchen, verschiebt den Schwerpunkt von der kontrollierten Umgebung der akuten Pflege in Krankenhäusern hin zur Pflege in Gemeinschaftseinrichtungen und Privathaushalten. Die Pflege zu Hause gestaltet sich aufgrund der Arbeitsumgebung oft als besonders schwierig: Die Beschäftigten arbeiten in kleinen Räumlichkeiten, sind nicht ausreichend geschult, arbeiten alleine, werden nur in geringem Maße bzw. gar nicht beaufsichtigt, sind aber den gleichen Risiken ausgesetzt wie z.B. in Krankenhäusern.

Die Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialwesen unterliegt wegen der Bevölkerungsalterung in Europa einem stetigen Wachstum, aber sie birgt auch eine große Bandbreite von Risiken, dazu zählen biologische und chemische (Nadelstichverletzungen, Umgang mit Biostoffen, Chemikalien, Gefahrstoffen), ergonomische (Heben und Tragen von Patienten) oder auch psychosoziale (Schichtarbeit, Gewalt).

Die traditionellen Risiken konnten durch technologische Fortschritte, wie etwa ergonomische Hilfsmittel, zwar reduziert oder sogar beseitigt werden, die Zahl der Arbeitsunfälle und berufsbedingten Krankheiten ist jedoch nach wie vor hoch.

Die Direktorin der EU-OSHA, Dr. Christa Sedlatschek, betonte den betriebswirtschaftlichen Nutzen einer Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Gesundheitssektor und erklärte. „Dieser Bericht wird zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, da Beschäftigte im Gesundheitsbereich zunehmend einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt sind, die von arbeitsbedingtem Stress oder Burn-out bis zu tropischen Krankheiten wie dem Ebola-Virus reichen. Hinzu kommt, dass viele Gesundheitssysteme in Europa gegenwärtig einen Reformprozess durchlaufen. Eines der entscheidenden Merkmale des Gesundheitssektors ist, dass die Versorgung von Patienten ganz zu Recht die Hauptpriorität darstellt — manchmal jedoch zulasten der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer geht. Die Botschaft, die wir vermitteln müssen, lautet: Wenn wir eine Patientenversorgung von hoher Qualität erreichen und erhalten wollen, müssen wir Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zur Priorität machen.“

Der Bericht beschreibt die Auswirkungen der Risiken und Probleme auf die arbeitsbezogene Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten sowie auf die Qualität von deren Pflegedienstleistungen. Er zeigt die Herausforderungen der Branche auf, zu denen der Mangel an qualifizierten und erfahrenen Arbeitskräften, die alternde Erwerbsbevölkerung, die zunehmende Nutzung von Technologien, die neue Fähigkeiten erfordern, sowie die Einführung neuer klinischer Behandlungspfade gehören.

Für die Ergebnisse aus diesem Bericht wurden Daten aus einer aktuellen Literaturrecherche und einer eigens entwickelten Erhebung verwendet, die unter Fachleuten im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in allen Mitgliedstaaten durchgeführt wurde. So konnten Erkenntnisse aus der Literatur mit Erkenntnissen aus der Praxis abgeglichen werden. Die Ergebnisse können als Leitlinien für politische Entscheidungsträger, Forscher und Fachleute im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit herangezogen werden, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in dieser Branche zu verbessern.

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