Publikation (Broschüre)

Inanspruchnahme von Angebotsuntersuchungen in der ArbMedVV - woran hapert's?

Forschungsbericht vom BMAS

Verwirrung um die Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV): Das Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung der Universitätsklinik Tübingen hat exemplarisch untersucht, wie es um das Angebot und die Nutzung von Angebotsvorsorge im Rahmen der ArbMedVV bestellt ist. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die Ergebnisse nun im Forschungsbericht „Inanspruchnahme von Angebotsuntersuchungen in der arbeitsmedizinischen Vorsorge“ veröffentlicht. Informationsdefizite und Unverständnis tun sich auf!

Besonders Arbeitgeber und Betriebsräte scheinen schlecht informiert oder unterliegen Missverständnissen, wenn es um die ArbMedVV und Angebotsvorsorge geht. Bei Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit (Sifa) scheint es etwas besser auszusehen. Die Forscher haben herausgefunden, dass mehr Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden, je mehr die Akteure über die ArbMedVV wissen. Betriebsärzte haben Probleme mit Definitionen, etwa der Begriffe „extreme Hitze“ oder „regelmäßige Information“, wünschen sich Argumentationshilfen gegenüber dem Arbeitgeber und Infos zum Datenschutz. Bei Arbeitgebern steht die Diskussion im Vordergrund, warum sie die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen nicht mitgeteilt bekommen, aber andererseits eine Fürsorgepflicht haben – und finanzieren müssen. „Dies weist auf ein Informationsdefizit und auf Aufklärungsbedarf hin, da auch bei Angebotsuntersuchungen der Betriebsarzt Anhaltspunkte für unzureichende Schutzmaßnahmen mitzuteilen hat (§ 6 Abs. 4 ArbMedVV). Betriebsärzte sind gemäß § 3 (3c) ASiG verpflichtet, ‚die Untersuchungsergebnisse zu erfassen und auszuwerten‘, wodurch ggf. auch Daten über durchgeführte Angebotsuntersuchungen dokumentiert werden.“ Ob diese Erklärung der Wissenschaftler da überzeugend sein kann?

Der Forschungsbericht bietet weitere interessante Fakten zum Zusammenhang der Stellung des Betriebsarztes im Betrieb mit dem Untersuchungsangebot, zu fehlenden Arbeitsplatzgrenzwerten und Pflichtuntersuchungen, zum Festhalten an G-Grundsätzen, zum Verzicht auf Messungen am Arbeitsplatz, zu Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Angebots- und Pflichtuntersuchungen bis hin zu der Aussage: „Gefährdungsbeurteilungen scheinen noch nicht im Arbeitsschutzsystem verwachsen zu sein“. Sie erfahren außerdem, wie Angebotsvorsorge in der Regel kommuniziert wird, welchen Einfluss das auf die Teilnahme hat und wovon die Teilnahme sonst noch abhängig zu sein scheint. Dadurch, dass sowohl Betriebsärzte, Sifas, Arbeitgeber als auch Beschäftigte befragt wurden, erschließt sich die ein oder andere interessante Perspektive. Am Ende finden sich Empfehlungen.

Reinlesen lohnt sich!

Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies in Ihrem Browser platziert werden.  [mehr erfahren] OK, verstanden