Publikation (Broschüre)

Gefährliche Produkte 2017: Untersuchung zu tödlichen Arbeitsunfällen und REACH

BAuA veröffentlicht Info 'Gefährliche Produkte 2017'

Welche gefährlichen Produkte aus dem Bereich der REACH-Verordnung gemeldet wurden und an wie vielen der 142 tödlichen Arbeitsunfälle im Jahr 2016 technische Produkte beteiligt waren – das sind nur einige der Daten und Fakten aus der Information "Gefährliche Produkte 2017", die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt veröffentlicht hat. Insgesamt 190 Produktwarnungen und -rückrufe machte das BAuA-Produktsicherheitsportal im Jahr 2016 bekannt. Die meisten davon betrafen Lebensmittel, die Fremdkörper aufwiesen oder fehlerhaft verpackt waren (52), Elektrogeräte und -zubehör (24) sowie Sport- und Freizeitartikel (22).

Jedes Jahr berichtet die BAuA, wie es um die Produktsicherheit in Deutschland bestellt ist. In diesen Bericht fließen auch Meldungen des europäischen Schnellwarnsystems RAPEX ein. Mehr als ein Drittel, nämlich 35 % der gefährlichen technischen Produkte, die die deutsche Marktüberwachung im Jahr 2016 beanstandete, kamen aus deutscher Produktion.

Über zwei Drittel der über RAPEX gemeldeten Produkte verstießen allgemein gegen das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). Die größte Gruppe waren dabei Produkte aus dem Bereich "Fahrzeuge und Aufbauten", wozu Fahrzeugteile oder -zubehör zählen. Meistens lauern hier mechanische Gefährdungen, etwa weil Bauteile brechen.


Gefährliche Produkte und tödliche Arbeitsunfälle

Interessante Ansätze bietet die Auswertung der 142 tödlichen Arbeitsunfälle – die tödlichen Wege- oder Dienstwegeunfälle sind hier nicht inbegriffen.

  • An 107 dieser tödlichen Unfälle waren technische Produkte, also Geräte oder Maschinen, beteiligt.
  • Es starben 105 Männer und 2 Frauen. Die 2 Frauen wurden durch rückwärts fahrende Gabelstapler tödlich verletzt.
  • 43 % der Verunfallten verrichteten Routinetätigkeiten; 27 % der Unfälle geschahen bei außergewöhnlichen Tätigkeiten (Instandsetzung, Wartung, Störungsbeseitigung).
  • 62 % der Getöteten waren zwischen 40 und 59 Jahren alt; 21, 7 % älter als 59; etwa 10 % waren 30 Jahre oder jünger.
  • 70 % übten ihre Tätigkeit schon mindestens drei Jahre aus, hatten also Routine.
  • In rund 70 % der Fälle war ein Fehlverhalten der Betroffenen als Unfallursache anzunehmen. 20,6 % der tödlichen Unfälle ereigneten sich, weil die Technik unzureichend war oder weil sie versagte.
  • Bei den tödlichen Unfällen mit Beteiligung technischer Produkte unterlagen 71 % der Produkte der 9. ProdSV, der sogenannten Maschinenverordnung. Darunter machten Sondermaschinen, worunter große Anlagen wie Pressen und Verpackungsanlagen fallen, mit 21,1 % den größten Anteil aus, gefolgt von Lkw mit 15,8 %, Kranen und Baufahrzeugen mit je 11,8 % und Gabelstaplern mit 7,9 %.
  • 86 % der Verunglückten wurden von sich bewegenden oder herabfallenden Teilen getroffen, eingeklemmt oder sie stürzten ab. Nach den mechanischen Gefährdungen ist elektrische Energie die zweithäufigste Unfallursache.
  • Am häufigsten sind Maschinen an Unfällen beteiligt, die zwischen 6 und 10 Jahren oder über 30 Jahre alt sind.


Tödlicher Arbeitsunfall? Das sind die Konsequenzen

Die häufigste Konsequenz nach einem solchen Unfall im Betrieb war, die Beschäftigten zu unterweisen (29,6 %). 22,9 % der betroffenen Betriebe setzten nach einem solchen tödlichen Unfall organisatorische Maßnahmen um; 12,1 % technische Maßnahmen. 10,4 % unterbrachen die Arbeit, 7,9 % untersuchten das Arbeitsmittel, 7,1 % stellten die Arbeit ein und 3,3 % zogen das Arbeitsmittel aus dem Verkehr. In 0,4 % der Fälle gab es ein Arbeitsverbot für einen oder mehrere Mitarbeiter. Satte 60,8 % nahmen den tödlichen Unfall zum Anlass, die Gefährdungsbeurteilung (GBU) zu überprüfen. Immerhin gab es in 84 % der Fälle eine GBU; mehr als die Hälfte davon war auch vollständig und aktuell.

Von Seiten der Behörden gab es folgende Maßnahmen:

  • Anordnung von organisatorischen Maßnahmen: 17,7 %
  • Belehrung der Firmenleitung: 16,6 %
  • Anordnung zur Unterweisung der Belegschaft: 14,9 %
  • Anordnung von technischen Maßnahmen: 12,7 %
  • Anordnung der Untersuchung von Arbeitsmitteln: 9,4 %
  • Einleitung eines Strafverfahrens: 7,7 %
  • Untersagungsverfügung: 2,7 %
  • Überprüfung gleichartiger Geräte: 1,1 %
  • Einleitung eines Bußgeldverfahrens: 0,6 %.
  • In 16,6% der Fälle gab es keine Konsequenzen von Seiten der Behörden.


Verstöße gegen die REACH-VO

Zum ersten Mal enthält der Bericht eine Auswertung zu Produkten, die gegen die REACH-Verordnung verstießen. Das waren 45 der über RAPEX gemeldeten Produkte. Mehr als zwei Drittel davon entfielen auf die Kategorie "Bedarfsgegenstände für Heim und Freizeit", meist Damenschuhe und Lederhosen mit zu hohem Chromgehalt. 20 % der Produkte gehören der Kategorie "Spielzeuge" an, bei denen oft die Grenzwerte gesundheitsgefährdender Stoffe für Nickel oder Blei überschritten wurden. Den vielen Meldungen im Bereich der REACH-Verordnung stehen 15 Meldungen von Verstößen gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) entgegen. Die Produktgruppen "Kosmetik" und "Bedarfsgegenstände für Heim und Freizeit" sind hier am stärksten vertreten. Chemische Gefährdung, etwa durch Chrom VI in Lederbekleidung oder Schwermetalle wie Barium in Tätowierfarben, traten am häufigsten auf.

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